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22.11.2006

Freikirchen - was eint, was trennt

Pfr. Dr. Walter Fleischmann-Bisten M.A., seit 20 Jahren Vorsitzender des Evangelischen Bundes und Geschäftsführer des Konfessionskundlichen Instituts in Bensheim, hielt in der Pfarrkonferenz des Kirchenkreises Schwelm am 13. November einen Vortrag zum Verhältnis der Landeskirchen zu den Freikirchen.

Pfr. Dr. Walter Fleischmann-Bisten M.A. referierte über das Thema: "Freikirchen - was eint, was trennt."

Neben den Pfarrern waren auch die Brüder aus den Freikirchen, die Laienpredigerinnen und -prediger sowie die Ruheständler im Kirchenkreis zur Pfarrkonferenz eingeladen worden.


Gleich zu Beginn seines Vortrages machte Fleischmann-Bisten deutlich, dass Unkenntnisse und Vorurteile selbst in akademischen Kreisen teilweise bis in die jüngste Vergangenheit das ökumenische Miteinander bestimmten und bestimmen. Wer und was Freikirchen sind, war und ist vielen landeskirchlichen Protestanten nicht klar. Fleischmann-Bisten erklärte: "Das Verhältnis der aus der Reformation hervorgegangenen Landeskirchen und Staatskirchen zu den sog. Freikirchen gehört zu den belasteten und immer noch wenig aufgearbeiteten Kapiteln der evangelischen Kirchengeschichte." Er erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass der "linke Flügel der Reformation", wie z.B. die Mennoniten, bis ins 19. Jahrhundert massiv verfolgt und benachteiligt wurden. Fleischmann-Bisten führte weiter aus, dass viele seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland beheimateten Freikirchen lange als zu bekämpfende Sekten (Sondergemeinschaften) galten. 

   

Verschiedene Dialoge mit den Freikirchen in Deutschland und Europa haben aber, so Fleischmann-Bisten, in den letzten Jahrzehnten Ergebnisse und deutliche Früchte gezeigt. "Das gilt für die Methodisten (1987 bzw. 1997) und Mennoniten (1989-1992) wie für die laufenden Gespräche mit den Baptisten in Europa (seit 2001), die Ratifizierung der Charta Oecumeninca (2003) und der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre durch den Weltrat Methodistischer Kirchen (2006)."

Ein besonderes Problem stellt für Fleischmann-Bisten das Verhältnis der landeskirchlichen Gemeinden zu den verschiedenen Typen der Pfingstkirchen dar: "Die Aussöhnung des Bundes freikirchlicher Pfingstgemeinden mit der Evangelischen Allianz (Kasseler Erklärung von 1996) und die damit vorgegebenen theologischen Maßstäbe werden sich erst noch bewähren müssen. Gleiches gilt für die Gespräche mit der Vereinigung Evangelischer Freikirchen und der ACK." 

   

Im weiteren skizzierte Fleischmann-Bisten grundsätzliche Kennzeichen der Freikirchen:
- Religionsfreiheit im Sinne der Trennung von Staat und Kirche
- Betonung des "Allgemeinen Priestertums der Glaubenden"
- Persönliche Glaubenserfahrung
- Gemeinschaftsbewusstsein
- Missionstätigkeit
- Persönliche Frömmigkeit (Verhältnis von Glaube und Taufe)
- Gemeindezucht. 

   

Erfreut zeigte sich Fleischmann-Bisten darüber, dass Michael Gordon, Pastor der Ev. Freikirchlichen Gemeinde in Gevelsberg, und Uwe Müller, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde in Ennepetal, der Einladung zur Pfarrkonferenz gefolgt waren. Beide versicherten, dass sie am Dialog mit den landeskirchlichen Gemeinde interessiert und zur Zusammenarbeit bereit seien. Uwe Müller verwies hier auf das gute Miteinander im Arbeitskreis Christlicher Kirchen (ACK) in Ennepetal, wo die Freie evangelische Gemeinde zwar nur Gastrecht habe, sich aber durchaus integriert fühle. 

   

Resümierend erklärte Fleischmann-Bisten: "Die ökumenische Diskussion mit den Freikirchen zeigt immer mehr, dass das missionarische und diakonische Profil, die integrative Kraft und pastorale wie strukturelle Beweglichkeit gefragt sind. Einer Kirche, die ihren Auftrag lebt, lebendiger Anwalt und einladender Zeuge des Evangeliums zu sein, gehört die Zukunft." 

   

Als Dank für den interessanten Vortrag überreichte Superintendent Manfred Berger dem Referenten eine "Schwelmer Tüte" mit landwirtschaftlichen Produkten aus der Region. (HB)



 
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