Evangelische Kirche in Ennepetal, Gevelsberg, Hasslinghausen und Schwelm
 
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04.12.2006

Eine kleine Chronik

Die wichtigsten Stationen der Ev. Beratungsstelle Ennepetal. Aus Anlass des 40jährigen Jubiläums der Evangelische Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene Schwangerenkonfliktberatung hat der Leiter der Einrichtung Harald Otschik eine Chronik verfasst, die wir hier gerne abdrucken.

Harald Otschik ist seit 25 Jahren Leiter der Ev. Beratungsstelle.

Die Ev. Beratungsstelle ist in der Birkenstraße 11 in Ennepetal zu Hause.

Vorgeschichte
Bereits Anfang der 60er Jahre wird im Ennepe-Ruhr-Kreis der Plan verfolgt, über das Kreisgesundheitsamt eine Erziehungs- und Familienberatungsstelle (EFB) einzurichten, nachdem die benachbarten Großstädte - vor allem Hagen - wegen Überbeanspruchung nicht mehr in der Lage sind, Ratsuchenden aus unserem Bereich Hilfe zu geben. Es soll ein ortsnahes Beratungsangebot geschaffen werden, "um Kindern und Jugendlichen, deren Eltern und Erziehern, sowie Verlobten und Ehepaaren bei ihren mannigfachen Schwierigkeiten in Erziehungs- und Lebensfragen zu helfen". Der Kreistag fasst entsprechende Beschlüsse, die Realisierung scheitert zunächst an der Raumfrage.
Daraufhin entscheidet die Synode des Kirchenkreises Schwelm im Sommer 1964, in Abstimmung mit den Organen des Ennepe-Ruhr-Kreises eine EFB in evangelischer Trägerschaft einzurichten. Maßgeblicher Initiator dieses Vorhabens ist der Oberstudiendirektor Dr. Fritz Textor aus Ennepetal. Ein Kuratorium wird mit der Gründung und Leitung beauftragt.
Es dauert zwei Jahre, bis die finanziellen und räumlichen Fragen geklärt sind und qualifiziertes Personal gefunden ist. 

   

Beginn
Die EFB nimmt ihre Arbeit zum 01.04.1966 als Erziehungsberatungsstelle in Ennepetal-Milspe, Kirchstraße 49 auf. Feierliche Eröffnung: 22.07.1966.
Das erste Team setzt sich zusammen aus 1 Psychologen (Leiter), 1 Psychagogin (kindertherapeutische Fachkraft), 1 Fürsorger und 1 Sekretärin.
Das Team unterstützt stundenweise nebenamtlich 1 Facharzt für Psychiatrie und Neurologie sowie im Bedarfsfall als juristischer Berater 1 Amtsgerichtsrat. 

   

60er Jahre
Jahre des Aufbaus. Haupteinzugsgebiet ist der südliche Ennepe-Ruhr-Kreis mit den Städten Ennepetal, Schwelm und Gevelsberg.
In Hattingen wird 1968 eine Außensprechstunde eingerichtet, die an zwei Tagen im Monat besetzt ist, da es dort noch keine Beratungsstelle gibt. Schon bald wird deutlich, dass dringend ein räumlicher und personeller Ausbau erforderlich ist.
Neben der Beratungsarbeit engagieren sich die Mitarbeiter durch intensive Vortragstätigkeiten im Ennepe-Ruhr-Kreis über Erziehungs- und Entwicklungsfragen.
Die Beratungsstelle wird in der Bevölkerung gut angenommen. Die meisten Menschen finden über Mundpropaganda und Presse zu uns, ein großer Teil wird über Schulen, kirchliche Dienste, Jugendämter und Ärzte zugewiesen. 

   

70er Jahre
Die Arbeit der noch jungen EFB wird Anfang 1970 überschattet durch den plötzlichen Tod des Leiters. Zu diesem Zeitpunkt wird wegen der hohen Beratungsnachfrage bereits die Einrichtung einer zweiten Psychologenstelle für dringend erforderlich gehalten.
1973 richtet der Ennepe-Ruhr-Kreis eine weitere Erziehungsberatungsstelle ein - die erste in eigener Trägerschaft. Der Aufbau von Erziehungsberatungsstellen in Hattingen und Wetter durch den Ennepe-Ruhr-Kreis folgt.
Die 70er Jahre sind insgesamt geprägt durch häufige personelle Wechsel und kommissarische Leitungen. 

  

Mitte der 70er Jahre:
zum 10-jährigen Bestehen beschließt und besetzt der Kirchenkreis 1976 eine zweite Psychologenstelle
1977 kommt auf Anregung des Präses der EKvW als weiteres Aufgabengebiet die Schwangerschaftskonfliktberatung hinzu. Zusätzliches Personal wird dafür nicht eingestellt.
Die Ehe- und Lebensberatung gewinnt zunehmend an Bedeutung: es werden verstärkt auch Erwachsene beraten, die nicht Eltern sind.
Der Name wechselt: aus Ev. Erziehungs- und Familienberatungsstelle wird
Ev. Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. 

   

80er Jahre
Mit Beginn der 80er Jahre konsolidiert sich der Personalstand. Zum 15.03.1981 ist ein Beratungsteam aufgebaut, das über längere Zeit in gleicher Besetzung zusammenarbeiten kann:
1 Psychologin (Leiterin), 1 Psychologe (er wird zum 01.05.1988 Leiter und ist dies bis heute), 1 Heilpädagogin, 1 Sozialarbeiter und 2 Teilzeit-Sekretärinnen.
Die EFB verfügt damit über eine Kapazität von 160 Beraterstunden/Woche, die bis zum Jahr 2001 nahezu unverändert bleibt.
Die Beratungsperspektive verändert sich: der soziale Kontext des zur Beratung angemeldeten Individuums wird mehr und mehr grundsätzlich und selbstverständlich in die Beratung einbezogen. Familienberatung / Familientherapie werden zur Grundlage beraterischen Denkens. 

   

90er Jahre
Anfang der 90er Jahre rückt die Schwangerschaftskonfliktberatung in den Blickpunkt und schlägt hohe Wellen:
Die Sommersynode 1990 des Kirchenkreises Schwelm spricht sich gegen einen Vorstoß mit großer Mehrheit dafür aus, die Schwangerschaftskonfliktberatung in bewährter Form weiter zu führen
Die Beratungsstelle muss sich nach über 20jähriger Tätigkeit in der Kirchstraße 49, Ennepetal neue Räume suchen, da der Mietvertrag wegen der Schwangerschaftskonfliktberatung nicht verlängert wird
Die Beratungsstelle findet ihr zukünftiges Domizil in kircheneigenen Räumen: Das ehemalige Superintendentenhaus wird mit großem Aufwand umgebaut. Es werden funktionale und ansprechende Beratungsräume geschaffen. Vor allem der kindertherapeutische Bereich bekommt endlich angemessenen Raum und macht es möglich, auch mit größeren Gruppen zu arbeiten.
Am 15.07.1994 erfolgt der Umzug in die Birkenstraße 11. Der neue Standort wird von der Bevölkerung sehr gut angenommen. Die ruhige Lage tut den Beratungsprozessen gut. Die Anmeldungszahlen steigen weiter kontinuierlich. 

   

2000er Jahre
Beginn 2000er:
2000 erfolgen intensive Verhandlungen mit dem Ennepe-Ruhr-Kreis zwecks Aufbaus einer ausgewogenen Versorgungsstruktur für Schwangerschaftskonfliktberatung im gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis unter Berücksichtigung der Trägervielfalt.
Es wird entschieden, Evangelische Schwangerschaftskonfliktberatung im Ennepe-Ruhr-Kreis in Ennepetal und Witten zu verankern
2001 erfolgt der vom Land vorgegebene Mindest-Personalausbau: Unser Beratungsteam vergrößert sich um zwei halbe Beraterstellen und eine halbe Verwaltungskraft. Damit verfügt der Arbeitsbereich der Schwangerenberatung / Schwangerschaftskonfliktberatung erstmals seit 1977 über ein eigenes Stundenkontingent.
In Witten wird in Kooperation mit dem Diakonischen Werk des Kirchenkreises Hattingen-Witten an zentraler Stelle eine Außenstelle eingerichtet, die am 05.09.2001 als Ev. Beratungsstelle für Schwangerenkonflikte und Partnerschaftsprobleme eingeweiht wird. Die Außenstelle wird rasch gut angenommen und frequentiert.
Mit Unterstützung des Landes kann zum 01.11.2001 - erstmalig seit Bestehen der Beratungsstelle - die Stelle einer Sozialpädagogin im Anerkennungsjahr geschaffen und besetzt werden. Über diese Stelle wird der Jugendhilfebereich fachlich ausgebaut. Insbesondere kann die Arbeit mit Gruppen kontinuierlich aufgebaut werden. 

   

Mitte 2000er:
Ende 2003 wird der Wunsch der Süd-Kommunen des Ennepe-Ruhr-Kreises an uns herangetragen, zukünftig Erziehungsberatung "aus einer Hand" zu bekommen
2004 erfolgen diesbezüglich intensive Vertrags-Verhandlungen
Zum 01.01.2005 wird unserer Beratungsstelle die Gesamtversorgung der Erziehungsberatung für die Städte Ennepetal, Gevelsberg, Schwelm und Sprockhövel übertragen
Unser Beratungsteam wird durch zwei - zunächst bis Ende 2008 befristete Planstellen (Diplom-Sozialpädagogin / Diplom- Sozialpädagoge) erweitert. Die Jahrespraktikantenstelle wird nicht wieder besetzt, nicht zuletzt auch wegen der veränderten Ausbildungsgänge.
Zum 24.06.2005 wird in Niedersprockhövel eine Außensprechstunde eingerichtet, die an zwei Nachmittagen Beratung vor Ort anbietet 

    

Das Team der Beratungsstelle besteht jetzt aus 12 Personen:
Für die Erziehungsberatung / Ehe- und Lebensberatung:
1 Diplom-Psychologe (Leiter) - vollzeit
1 Diplom-Psychologin (stellvertretende Leiterin) - vollzeit
1 Diplom-Sozialarbeiter - teilzeit
2 Diplom-Heilpädagoginnen - jeweils teilzeit
1 Diplom-Sozialpädagogin - vollzeit
1 Diplom-Sozialpädagoge - vollzeit
2 Sekretärinnen - teilzeit
Beratungsvolumen: ca. 6 Planstellen
Für die Schwangerenberatung / Schwangerschaftskonfliktberatung:
1 Sozialpädagogin, grad. - teilzeit
1 Diplom-Sozialarbeiterin - teilzeit
1 Sekretärin - teilzeit
Beratungsvolumen: 1 Planstelle

Die Beratungskräfte verfügen über eine Vielzahl therapeutischer Zusatzausbildungen. 

   

Perspektiven
Die Arbeit hat sich über die Jahre zwangsläufig verändert: In den Gründerjahren umfasste das Aufgabenspektrum eine ganze Reihe von Fragestellungen, die inzwischen überwiegend vom kinderpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamtes bzw. anderen Beratungsstellen übernommen werden: Gutachten, Schulreifeuntersuchungen etc.. Dafür sind neue Aufgabengebiete hinzugekommen wie zum Beispiel Beratung / Therapie bei sexueller Gewalt.
Seit der Gründerzeit spielen Schulprobleme und deren Auswirkungen auf die Familien (soziale Auffälligkeiten, Leistungsprobleme, Konzentrationsstörungen etc.) inhaltlich eine große Rolle.
Über die Jahre stark zugenommen hat auch die Beratung im Kontext von Trennung und Scheidung. Insbesondere das aktuelle Familienrecht hat der Beratung einen Stellenwert zugewiesen, der vielfältigen und intensiveren Beratungsbedarf nach sich zieht.
Das Beratungsteam bildet in seiner heutigen Größe ein buntes, vielfältiges und breites Spektrum ab, sowohl hinsichtlich der Methoden als auch hinsichtlich thematischer Schwerpunkte. Der Personalausbau der letzten Jahre hat unser Team auf eine Größe gebracht, die es möglich macht, in unterschiedlichen Konstellationen gezielt Projekte / neue Zielgruppenangebote zu entwickeln, die sich aus unserer inhaltlichen Arbeit ergeben.
So gehören Trennungs- / Scheidungskinder-Gruppen und Mädchen- und Jungen-Gruppen (soziales Lernen) zu unseren regelmäßigen Angeboten.
Mit der Übertragung der Gesamtverantwortung für Erziehungsberatung im südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis hat sich seit 2005 eine sehr konstruktive, verbindliche Kooperation / Abstimmung mit der öffentlichen Jugendhilfe entwickelt und etabliert. In gemeinsamer Verantwortung geht es darum, die Bedarfsentwicklung zu fokussieren und Beratungsangebote einvernehmlich weiterzuentwickeln und abzustimmen.
In diesem Kontext kommt auch der trägerübergreifenden Initiierung gemeinsamer Projekte immer größere Bedeutung zu.

Harald Otschik, Dezember 2006


 
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