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12.07.2017

Beeindruckendes Konzerterlebnis

Gut 200 Konzertbesucherinnen und –besucher haben am 9. Juli einen eindrucksvollen Abend in der Schwelmer Christuskirche erlebt.

Es hat wohl noch keinen Klangkörper gegeben, der den Raum der Christuskirche so erfüllt und durchdrungen hat, wie die 10 Musiker, die ihr Publikum in ihren Bann zogen.

Denny Wilke ist zweifellos ein Meister seines Faches.

Axel Thiemann nahm mit seiner herausragenden Stimme den gesamten Kirchenraum ein und stand in puncto Präsenz und Intensität den Musikern in nichts nach.

  

 

Unter der Überschrift „RELIGION - REFORMTION - REVOLUTION  -  500 Jahre Reformation – 100 Jahre Große Sozialistische Oktoberrevolution“ gestalteten das Blechbläserensemble und ein Schlagzeuger des Gewandhausorchesters Leipzig zusammen mit Denny Wilke an der Orgel und dem MDR-Rundfunksprecher Axel Thielmann ein Konzert mit Lesungen, das man nur mit Attributen, wie „imposant“, „ergreifend“ und „bewegend“ beschreiben kann.

 

Großartiger Klangkörper

Es hat wohl noch keinen Klangkörper gegeben, der den Raum der Christuskirche so erfüllt und durchdrungen hat, wie die 10 Musiker, die ihr Publikum in ihren Bann zogen.

  

Mit der Sinfonia aus der Leipziger Ratswechselkantate „Wir danken dir, Gott, wir danken dir“, BWV 29 von Johann Sebastian Bach setzten die Musiker gleich zu Beginn des Konzertes ein Ausrufezeichen. Der folgende „Marche Triomphale du Centenaire de Napoléon I. op. 46 für Blechbläser, Pauken und Orgel“ von Louis Vierne beeindruckte nicht weniger.

 

 

Zeitgeschichtliche Einordnung

Obwohl schon die Musik für sich alleine genug sprach, erschloss sich ihre gesamte Bedeutung durch die Texte, mit denen Axel Thielmann die einzelnen Stücke zeitgeschichtlich einordnete. Dabei nahm Thiemann mit seiner herausragenden Stimme den gesamten Kirchenraum ein und stand in puncto Präsenz und Intensität den Musikern in nichts nach.

Wer befürchtet hatte, die Oktoberrevolution könnte an dem Abend vielleicht verherrlicht werden, wurde von Thielmann gleich zu Beginn eines Besseren belehrt. Nachdem er beschrieben hatte, wie Luthers Thesenanschlag die Welt verändert hat, nahm er Stellung zur Revolution von 1917: „Aber vor 100 Jahren ereignete sich in Russland eine Revolution, die ebenfalls das Gefüge durcheinander brachte. Das Zeitalter des Kommunismus brach an, und die Auswirkungen sind bis auf den heutigen Tag zu spüren. Eine Wende trat ein, durch eine neue Ersatzreligion. Geprägt von Terror, Sehnsucht nach Gerechtigkeit, großer Not und Umkehrung der herrschenden Verhältnisse.“

 

Der Kalte Krieg und Bach

Mit dem Eingangschor und Choral aus der Reformationskantate „Ein feste Burg ist unser Gott BWV 80 von Johann Sebastian Bach in einer Bearbeitung für 4 Posaunen von Jörg Richter bekamen die vier Posaunisten des Abends die Gelegenheit, ihr Können besonders unter Beweis zu stellen. Während die Musik bisher von der Empore erschallte, musizierten die Posaunisten jetzt vor dem Altarraum.

Thielmann erklärte zur Bach-Kantate, wie das DDR-Regime den Komponisten für ihre Zwecke instrumentalisiert hat: „Und Bach? Was geschah mit ihm? Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl manifestierten zum großen 1950er Bachjubiläum – es war sein 200. Todesjahr – dass Johann Sebastian Bach im Gegensatz zur geschichtlichen und musikhistorischen Bedeutung kein „kosmopolitischer“, sondern ein „nationaler“ Komponist gewesen sei. Außerdem habe er in religiöser Beziehung nicht der Orthodoxie, sondern dem Pietismus als der „damaligen fortschrittlichen Ideologie seiner Zeit“ angehört. Und – Zitat: „erst die mit der Zerschlagung des deutschen Faschismus durch die Armeen der sozialistischen Sowjetunion herbeigeführte Niederlage der deutschen Imperialisten (habe) den Weg zu einer wahrhaft objektiven Wertung und Würdigung Bachs frei gemacht.“ Die Bach-Ehrung 1950 in der jungen DDR war ein Staatsakt, der der Selbstbeglaubigung dienen sollte in deutlicher politischer und kunstästhetischer Absetzung gegenüber der BRD. Der „kalte Krieg“ hatte somit auch Bach eingeholt.“

   

Der Reformationskantate folgte Kurt Grals „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“, ebenfalls von den vier Posaunisten vorgetragen.

   

Das sinnlose Sterben auf den Schlachtfeldern der Weltkriege, allen voran in Verdun, nahm das Stück „Poéme Héroique op.33 von Marcel Dupré auf, das auf das Salvum fac populum op.84 von Charles-Marie Widor folgte.

 

 

Imposanter Abschluss

Mit der Symphonie Nr. 1 d-Moll op. 42 von Félix Alexandre Guilmant in einer Bearbeitung für Blechbläser, Pauken und Orgel von Friedhelm Flamme fand der Abend einen überragenden Höhepunkt. Orgel, Blechbläser und Pauken verschmolzen immer wieder zu einem grandiosen Ganzen, das die Zuhörer gefangen nahm.

Dabei ließ nicht nur Denny Wilke an der Orgel immer wieder seine Genialität aufblitzen, auch die Gewandhaus-Musiker begeisterten durch ihre eingehenden Interpretationen.

Und so war es nicht verwunderlich, dass das Publikum den Ausführenden mit langanhaltenden Standing-Ovations dankte. Was für ein Konzertabend! (HB)


 
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