Evangelische Kirche in Ennepetal, Gevelsberg, Hasslinghausen und Schwelm
 
 Kirchenkreis Schwelm » Andacht
31.10.2006

Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.

(Offenbarung 21, 5 - Monatspruch November 2006)   Liebe Leserinnen, liebe Leser, Es gibt da so ein Lied - bei Kirchentagen und manchmal auch bei Familiengottesdienstens, da wird es gelegentlich gesungen. Eine eingängige Melodie und ein eingängiger Text. Da heißt es:   "Es kommt die Zeit, in der die Träume sich erfüllen, wenn Friede und Freude und Gerechtigkeit die Kreatur erlöst. Dann gehen Gott und die Menschen Hand in Hand."

Markus Scheuer, Pfarrer z.A. in Schwelm

 

Ich habe den Eindruck, dass solche Träume gerade auch in unseren Tagen die Menschen mehr und mehr bewegen. Die Sehnsucht und die Hoffnung auf eine Zeit, in der sich die persönlichen und gesellschaftlichen Verstrickungen lösen - eine Zeit in der sich die Umstände zu einem Besseren wenden werden.

Denn leider mangelt es ja nicht an gegenteiligen Erfahrungen:

 

* Erfahrungen des Ungenügens, der Trauer und des Schmerzes. Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben.

* Das weit verbreitete Gefühl der Bedrohung in unserer Welt. Unsicherheit und manchmal auch Angst vor Krieg und Terror, der - so das viel beschworene Bedrohungsszenario - möglicherweise gar nicht mehr so weit weg ist.

* Manche treibt auch die Sorge um die schwierige Situation, in die unsere Kirche geraten ist: Wo soll das alles noch hinführen?

 

Krisenstimmung - so scheint es - allenthalben. Es herrscht allgemeine Perspektivlosigkeit, welche die Gemüter wie in einem Sog nach unten zu ziehen scheint.

Ich denke, dabei gibt es eine Gefahr, die gar zu leicht unterschätzt wird:

Nämlich, dass wir uns von diesem Sog nach unten, der von dieser allgemeinen Krisenstimmung ausgeht, faszinieren lassen. Denn auch die Mutlosigkeit hat ihre eigene Faszination.

 

Wir dürfen dieser Faszination nicht erliegen: Denn dann bekäme dieser Sog nach unten eine Eigendynamik, die man kaum mehr stoppen kann. Dann würden unsere Widerstandkräfte gelähmt, und wir wären ihr hoffnungslos ausgeliefert.

 

Die biblische Botschaft gibt uns gute Gründe gegen die Mutlosigkeit und ihre Faszination. Wir brauchen dieser Faszination nicht zu erliegen. Nein, wir dürfen hoffen!

 

Sicher: Nicht auf uns selbst. Nicht auf unsere eigenen Kräfte. Die sind begrenzt und schnell erschöpft.

Nein, wir dürfen hoffen, weil Gott selber versprochen hat, dass er uns selbst, die Welt und auch seine Kirche niemals aufgeben wird.

Gott wird zu seinen Verheißungen stehen. Was immer auch kommen mag - Gott wird Bund und Treue halten, so wie er es versprochen hat.

 

Immer wieder werden uns in der Bibel seine Zusagen vor Augen gestellt:

Hoffnungsbilder, die das Gottesvolk des alten und neuen Bundes begleitet haben. Großartige Hoffnungsbilder, die Träumen gleich, die Menschen auch durch Wüstenwege begleitet haben:

"Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde" (Jes 43, 19)

"Siche, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Freut euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe" (Jes 65, 17f.)

 

Genau diese Hoffnungsbilder werden in der Johannesoffenbarung, dem letzten Buch unserer Bibel, aufgenommen.

In einer für die christliche Gemeinde sehr schwierigen Zeit wird so die Trostbotschaft des Evangeliums auf sehr schöne Weise zusammengefasst.

 

In der Johannesoffenbarung, jener zu Unrecht vielfach in Misskredit geratenen Apokalypse, wird gerade nicht der Untergang als Gottes Wille vorgestellt, sondern deutlich gemacht, dass Gott Leben und Seligkeit will. Am Ende wir er selbst

"Abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen" (Offb. 21,4)

 

Nicht weniger als diese umfassende Perspektive der Hoffnung und der Zuversicht ist in diesem Satz also im Blick, der uns las Monatsspruch durch den November hindurch begleiten kann:

"Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!"

 

Das wünsche ich uns allen: Dass wir inmitten aller Anfechtungen dieser Zusage fest vertrauen - und dadurch einerseits Trost finden und uns andererseits zugleich ermutigen lassen, je an unserem Ort, mit je unseren (bescheidenen) Möglichkeiten mit dazu beizutragen, dass die Träume hier und da schon in Erfüllung gehen.

 

Vielleicht hilft da ja schon ein Lied auf den Lippen:

"...wenn Friede und Freude und Gerechtigkeit die Kreatur erlöst."

 

Markus Scheuer, Pfarrer z.A. in Schwelm

 


 
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