Evangelische Kirche in Ennepetal, Gevelsberg, Hasslinghausen und Schwelm
 
 Kirchenkreis Schwelm » Andacht
01.08.2009

Lasst die Kinder zu mir kommen...

Neulich abend bei uns zu Hause: Till zieht soo eine Flappe, als ich ihn ins Bett bringen will. Irgendetwas habe ich falsch gemacht! Keine Ahnung was! Auf jeden Fall bin ich blöd! Till macht ne dicke Schnute und spielt Rumpelstilzchen! Stampft mit dem Fuß und ab ins Kinderzimmer. Tür zu! Für Papa verboten.   Und ich sitz da und denke: Was ist denn jetzt schon wieder los? Bis eben war doch noch alles in Ordnung. Da hab ich ihr noch vorgelesen und er hat ganz andächtig zugehört. Nur weil da mal einmal das Telefon geschellt hat. Da kann ich doch nix für! Schließlich hab ich den Anruf nicht bestellt. Und beeilt habe ich mich auch. Kaum fünf Minuten gesprochen. Waren aber wohl fünf Minuten zu lang. Danach war jedenfalls Sendeschluss. Keine Chance. Für heute habe ich verspielt. Ulrike muss ran. O.K., hab ich eben frei und kann die Tagesschau gucken. Mist nur, dass mir die Sache noch nachhängt. Ich finde Till ungerecht. Da nehm' ich mir schon mal Zeit, und dann das! Ich grüble vor mich hin. Im Flimmerkasten redet die Kanzlerin, aber ich höre Till: "Du bist vielleicht blöd!"

Uwe Rahn ist Pfarrer in der Ev. Kirchengemeinde Schwelm

 

Klar bin ich blöd. Aber heute abend war ich doch nett. Von wegen Vorlesen.

Die Sache nervt mich. Der Abend ist irgendwie gelaufen.

Denke ich.

Rumms fliegt die Wohnzimmertür auf. "Papa, Gute-Nacht-Kuss!"

Und schon schmeißt sich mir Till an den Hals, dass ich um meine Brille fürchte. Er strahlt über das ganze Gesicht.

Und dann erzählt er mir aufgeregt, was er morgen alles machen will.

 

Wieso ist mein Sohn jetzt wieder so nett. Und Papa der Allerbeste.

Ich versteh schon wieder nichts. Klar, ich bin ja auch blöd.

Tills Ärger ist vergessen. Irgendwo zwischen Klo und Zähneputzen auf der Strecke geblieben. Während ich grübelnd im Wohnzimmer sitze ist er längst obenauf.

 

Kennen Sie das auch. Vielleicht von Ihren Kindern?

Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt.

Was eben noch richtig war, toll, ist im nächsten Moment schon grundverkehrt.

Und wir Erwachsenen kapieren mal wieder nichts.

 

Ob die Kinder ihre Gefühlsschwankungen verstehen?

"Was war denn eben los?", frage ich Till.

Er schaut mich mit großen Augen an.

"Papa, übermorgen, da kommen Oma und Opa..."

 

Beneidenswert. Alles vergessen. Das müsste man auch können.

Statt dessen schleppe ich alles mit mir rum: Die Sorgen um die Gemeinde! Die kleine Auseinandersetzung mit Georg! Und, und, und...

Klar. Ich bin ja auch erwachsen.

Ich verstehe eben mehr, sehe die Hintergründe, male mir die Folgen aus, wäge ab, entscheide...

Tills Welt ist einfacher.

 

So wie sie jetzt ist, wird sie nicht bleiben. Irgendwann wird auch er den "Ernst des Lebens" begreifen.

 

Aber im Moment wünsche ich ihr, dass es damit noch etwas dauert.

Dass er sich Zeit lässt, mit dem Erwachsenenwerden, dass er sich seine Spontanität bewahrt. Auch wenn das für Ulrike und mich bisweilen etwas anstrengend wird.

 

Und was meine Sorgen angeht: Oft wünsche ich mir etwas mehr Gelassenheit.

Zumindest verstehe ich das bekannte Jesuswort in diese Richtung, wenn es heißt: "Lasst die Kinder zu mir kommen und hindert sie nicht. Wenn ihr nicht werdet, wie die Kinder, dann werdet ihr das Reich Gottes verpassen."

 

Das meint doch: Lernt von den Kindern. Sorgt euch nicht immer nur um euer Leben, sondern so wie die Kinder euch Eltern vertrauen, so vertraut ihr doch auf Gott."

 

Ein bisschen mehr Gottvertrauen, ein bisschen mehr Kindlichkeit, das wünsche ich uns Erwachsenen.

 

Ihr

Uwe Rahn


 
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