Evangelische Kirche in Ennepetal, Gevelsberg, Hasslinghausen und Schwelm
 
 Kirchenkreis Schwelm » Andacht
28.02.2011

Glücksmomente

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

Paulus berichtet im 2. Brief an die Korinther von einer Vision, in der er in den 3. Himmel entrückt wurde.

Pfarrerin Anke Lublewski-Zienau ist Seelsorgerin an der Klinik Königsfeld

  

Wir kennen ja eher den 7. Himmel, in dem der eine oder die andere Verliebte schon einmal landet. In den verschiedenen jüdischen Traditionen gibt es eine unterschiedliche Anzahl von Himmeln, die als übereinander liegend gedacht werden. Manchmal sind es zehn, manchmal sieben oder eben, wie bei Paulus, drei Himmel.

Wichtig ist, dass es hier um den obersten Himmel geht. Der oberste Himmel ist nämlich das Paradies

Paulus war also in seiner Vision im Paradies. Von dieser Erfahrung erzählt er nur, dass er "unaussprechliche Worte" gehört hat, "die kein Mensch sagen kann". Nichts von gebratenen Tauben also, nichts von allumfassender Leichtigkeit, nichts von Freude, die niemals aufhört. Paulus hat eine andere Erinnerung an das Paradies als das, was wir aus der Kunst und der Literatur kennen.
Was könnte er da erlebt haben? Es muss etwas Wunderschönes gewesen sein, für das jedes menschliche Wort zu banal ist. Es scheint ihn getröstet, gestärkt und froh gemacht zu haben.

Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass wir die genauen Worte nicht kennen. Das hilft der Phantasie: Was würde ich gern im Himmel erleben? Was tröstet  mich, was stärkt  mich, was macht mich froh? Wir beschäftigen uns viel zu wenig mit unseren Wünschen und tiefen Gefühlen, dabei könnten sie uns so gut bei mancher Problemlösung helfen.

Paulus hilft das bei einem ganz speziellen Problem. Er spricht von einem Pfahl in seinem Fleisch. In der Forschung wurde viel gerätselt, was damit gemeint ist. Meistens nimmt man an, Paulus habe an Epilepsie gelitten, andere sprechen von Augenmigräne oder von Aussatz. Eigentlich ist das für uns gar nicht wichtig. Nur so viel: es ist etwas, worunter er sehr leidet. Er bittet Gott mehrfach, ihn endlich davon zu erlösen. Gott erfüllt ihm die Sehnsucht nach einem leichteren Leben nicht, aber hilft ihm durch das Paradieserlebnis, mit der leidvollen Seite zu leben. Paulus Erlebnis zeigt uns: die glücklichen Momente stärken für die leidvollen.

Und deshalb ist es wichtig, all die Glücksmomente, all die Aufenthalte auch im 7. Himmel, die wir erleben, zu bewahren. Sie sind Geschenke Gottes, die uns bei der Bewältigung von Leid und Ängsten helfen. Was wir von Gott zu erwarten haben ist so normal wie die Luft, die wir atmen: er ist bei uns und schenkt uns von Zeit zu Zeit Einblicke in dieses Paradies im dritten - oder vielleicht auch im siebten – Himmel, damit uns glückliche Momente für die leidvollen Augenblicke stärken. Gott sagt uns damit, was uns – im Idealfall - früher unsere Eltern gesagt haben, wenn wir uns wehgetan haben: Alles wird gut.

Ihre

Anke Lublewski-Zienau,

 


 
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