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 Kirchenkreis Schwelm » Andacht
05.03.2012

"Wir sind Präsident"

Es ging zum Schluss erfrischend schnell mit der Kür zum Bundespräsidenten-Kandidaten. Den Politikern ist es wenigstens gelungen, unserem Volk weitere Unannehmlichkeiten zu ersparen.

Dirk Küsgen ist Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Gevelsberg.

    

Bei der vorherigen Wahl war nicht der Kandidat gesucht worden, den alle hätten tragen können, sondern Wulff wurde von „seinen“ Parteien durchgedrückt. Die Abstimmung um das höchste Amt im Staat  wurde von Regierung und Opposition dazu benutzt, um auszutesten, ob „seine“ Koalition noch regierungsfähig war. Deswegen war sein Amt schon beschädigt, bevor er es antrat, und er agierte dazu noch ungeschickt. Aber was soll einer oder eine im Amt ohne Macht? Vielleicht genau das: Überall dabei sein und nirgendwo dazu gehören. Wie die überwiegende Mehrheit der Deutschen keiner Partei angehören, aber als Repräsentant des wahren Souveräns, des Volkes, den Mächtigen in Wirtschaft und Parteien ihre moralischen Grenzen aufzeigen. Weil das Amt nicht mit Macht ausgestattet ist, muss die Person des Amtsträgers eine integere hohe moralische Autorität sein. Interessant fand ich, dass auf der Suche nach einer solchen  Person immerhin drei Namen aus dem Umfeld der Evangelischen Kirche in die nähere Auswahl kamen. Bischof Huber wurde nicht gewählt, weil er den Liberalen zu sozial war. Auch Ablehnungsgründe können Komplimente sein, wenn einer sein streitbares Profil für die Schwachen einsetzt! Der Name der Kirchentagspräsidentin Göring-Eckardt fiel auch. Ein Pfarrer, Joachim Gauck, wurde dann Kandidat. Was lernt man daraus? Darf man nach den vielen Skandalen erwarten, dass die Politik moralischer wird? Wohl kaum. Aber die Moral muss politischer werden. Gerade weil Politik angeblich ein schmutziges Geschäft ist, dürfen sich die Christen da nicht heraushalten. Schweigen heißt sonst dulden. Die Propheten des Alten Testaments waren stets Anwälte der Schwachen. Wie sagt es Jesus: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz aber fade wird, womit soll man es salzen?“ Lieber den Richtigen die Suppe versalzen, aber bitte konstruktiv, als einen abgeschmackten Einheitsbrei kochen! Ich wünsche mir einen unbequemen und souveränen Präsidenten ohne Pannen. Diesem Profil haben etwa Heinemann und von Weizsäcker entsprochen. Sie gehörten vorher unterschiedlichen Parteien an, aber beide waren von der Partei  der überzeugten evangelischen Christen!

Nein, wir sind nicht „Papst“, wir waren es noch nie. Aber wir sind „Präsident“. Das ist auch etwas.

  

Ihr

Dirk Küsgen     


 
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