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03.04.2012

Die Karwoche beginnt

Liebe Leserin, lieber Leser, mit dem Palmsonntag beginnt die letzte Woche der Passionszeit, die Karwoche, die auch die stille Woche genannt wird.

Anke Lublewski-Zienau ist Pfarrerin in der Klinik Königsfeld

   

Kar kommt vom althochdeutschen kara, das heißt Klage, Kummer, Trauer. Und dennoch hat der Palmsonntag für mich eher einen fröhlichen Klang. Das ist zu Kindergottesdienstzeiten entstanden. Die Geschichte von Jesu Einzug in Jerusalem, die diesem Sonntag den Namen gibt, hatte immer etwas Fröhliches für mich – wenn die Menschen mit Palmzweigen wedeln und das Hosianna singen. In manchen Gegenden gab es sogar eine besondere Sitte: An Palmsonntag kam das „Palmhäsje“ und brachte den Kindern kleine Geschenke: ein Osterei oder eine Tafel Schokolade. Es waren Kleinigkeiten, aber sie hoben diesen Sonntag in der Passionszeit heraus aus der ernsten Fastenzeit und boten einen Vorgeschmack auf Ostern.

Eine Textstelle aus dem Brief des Paulus an die Philipper, der in der Predigtreihe für Palmsonntag steht, ist auch solch ein „Palmhäsje“. Paulus schreibt, dass Jesus, als er Mensch wurde, keinen Unterschied zwischen sich und uns machte. Er durchlebte die tiefsten Tiefen bis hin zum Tod. So bekam er von Gott eine endgültige Heimat auf dieser Erde, damit der Himmel mit der Erde fest verbunden bleibt und Hoffnung, Liebe und Mut immer Bestand haben.

Gott ist bei uns. Das ist die Grundlage für unser Leben und das Osterlicht, das heute schon aufleuchtet. Das kann Kraft und Hoffnung schenken, wo es nur noch finster erscheint.

Ich habe das einmal bei einer Patientin erlebt, die ich in ihren letzten Tagen begleitet habe. Wir sprachen sehr intensiv und offen über das Sterben und den Tod. Sie war einerseits traurig, loslassen zu müssen, Abschied von ihrem Leben hier mit allen Beziehungen zu nehmen und gleichzeitig war sie zuversichtlich, dass alles gut wird, weil sie sicher glaubte: ich gehe einem warmen Licht entgegen und werde dort liebevoll in Empfang genommen - so, wie ich hier liebevoll verabschiedet werde. Mit diesen Gesprächen hat sie mir und den anderen Menschen in ihrer Nähe gezeigt, dass es Kraft und Hoffnung gibt, wo man sie gar nicht vermutet. Und sie hat noch mehr gemacht: sie hat etwas von dieser Kraft und der Hoffnung weitergegeben.

Gott wurde Mensch und kam uns damit ganz nah. Das ist der Grund, warum wir auch mitten in all den Ängsten und Problemen, die uns umgeben, leben können. Der Alltag wird immer vom Osterlicht beleuchtet. Und der Palmsonntag ist ein gutes Bild dafür, denn er bringt Karfreitag und Ostern zusammen. Er fasst bildhaft zusammen, was in unserer Welt immer nebeneinander da ist: Freude und Leid, Leben und Tod, das „Hosianna“ und das „Kreuzige ihn“. Gott mutet uns zwar auch die Dunkelheit zu, aber er lässt uns nicht alleine. Das letzte Wort hat das Licht und nicht die Dunkelheit.

Ich wünsche Ihnen schönen Sonntag und vielleicht entdecken Sie ja auch ein „Palmhäsje“?

Ihre

Anke Lublewski-Zienau,

 



 
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