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16.04.2012

Wer zuletzt lacht, lacht am besten!

Dieses Jahr im Gottesdienst zur Osternacht: der Kollege am Altar schließt die Abendmahlsfeier mit einem Segenswort ab, holt kurz Luft und erzählt:

Michael Helmert ist Pfarrer im Entsendungsdienst in der Evangelischen Kirchengemeinde Haßlinghausen-Herzkamp-Silschede

 

Ein Mann erhält einen Anruf von der deutschen Botschaft in Israel. Seine Schwiegermutter sei auf einer Reise im Heiligen Land verstorben. Die Überführung nach Deutschland würde gut 6000 Euro kosten, ein Begräbnis bei Jerusalem nur 500 Euro. Der Mann überlegt kurz und entscheidet: „Überführen.“ Der Botschaftsmitarbeiter ist irritiert: „Bedenken Sie doch! Für 500 Euro richten wir Ihrer Schwiegermutter ein richtig schönes, feierliches Begräbnis aus.“ Der Mann darauf: „Hören Sie, es kommt mir nicht aufs Geld an. Aber ich habe gehört, bei Ihnen ist schon mal einer von den Toten zurückgekommen. Das Risiko ist mir zu hoch.“ – Die Gemeinde biegt sich vor Lachen.

  

Risus paschalis, also Osterlachen nennt man diesen alten Brauch. Im Mittelalter kam die Sitte auf, dass Priester und Prediger in den Ostergottesdiensten das Volk unbedingt zum Lachen bringen mussten, egal wie, egal worüber. Hauptsache, die Menschen schlugen sich vor Lachen auf die Schenkel. Man stelle sich vor: in einer Zeit, in der das normale Volk von allen Seiten ausgenutzt wird, von den Kirchenfürsten genauso wie von den weltlichen Herren, als Pest und Kriege wüten, als sich einfache Menschen wie Spielbälle der großen Mächte vorkommen – da gibt es eine Nacht, in der sie alle von Herzen lachen: über die Herren dieser Welt genauso wie über den Tod.

 

So ein Lachen hat viel mit dem Glauben gemeinsam. Mit ihrem Lachen feiern die Menschen des Mittelalters den Glauben an ihren Gott, der mitten im Irrsinn der Welt über den Dingen steht. Sie feiern auch mit einer gewissen Schadenfreude. Sie glauben nämlich fest daran, dass Gott sich von denen, die in dieser Welt großspurig tun, nichts vormachen lässt. In Psalm 2 hören wir: „Die Herrscher der Erde lehnen sich auf, die Machthaber verbünden sich gegen den HERRN. Doch der im Himmel thront, lacht, er spottet nur über sie.“ Wen wundert es, dass der subversive Witz gerade in Diktaturen gedeiht? Über wen man lachen kann, der büßt seine Bedrohlichkeit ein.

  

Gut, dass sich der Brauch des Osterlachens in manchen Gemeinden gehalten hat! „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“, sagt ein Sprichwort. Und das hat eine Menge mit Ostern zu tun und mit der Auferstehung Jesu von den Toten: Nicht der Tod und nicht die Mächtigen behalten das letzte Wort, sondern Gott. Der Tod hat sich an diesem Jesus verschluckt. Das Leben siegt. Und Gott lacht. Ostern feiern wir das Lachen Gottes.

  

„Wer zuletzt lacht, lacht am besten“. Der Volksmund weiß ganz genau: Es braucht oft einen langen Atem in der Welt. Nicht alles, was auf den ersten Blick Erfolg und Gültigkeit hat, wird sich auch so durchsetzen. 

Dass Sie sich in der Zeit nach Ostern hier und da von Gottes Lachen anstecken lassen, wünscht Ihnen Ihr

 

Michael Helmert


 
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