Evangelische Kirche in Ennepetal, Gevelsberg, Hasslinghausen und Schwelm
 
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10.07.2017

Gott wendet das Böse zum Guten

Das Leben mit seinen Höhen und Tiefen durchleben wir, wir stecken mittendrin, entwickeln Gefühle von Freude und Angst.

Pfarrer Dirk Küsgen ist Krankenhausseelsorger im Helios-Klinikum Schwelm

  

 

Wir wissen selten genau, wie die Episode, in der wir stecken, ausgeht. Biografien aber werden sozusagen von weit "hinten" geschrieben, bewerten die Vergangenheit neu, erzählen von der "Auflösung" her. Im Geschehen selbst "erleben" wir, mit allen Gefühlen, mit aller Spannung und Anspannung. Vom Ende her bewerten wir. Die meisten biblischen Geschichten sind sozusagen von hinten her geschrieben. Die Evangelisten wissen schon vor der Kreuzigung, dass das Evangelium mit der Auferstehung enden wird, die Darsteller in der Szene ahnten es nicht, bis auf Jesus.

  

Wir hatten es beim gestrigen Predigttext mit dem Ende einer Geschichte zu tun. Joseph, der von seinen Brüdern an Sklavenhändler nach Ägypten verkauft worden ist, wird am Ende seine Familie vor dem Hungertod retten, denn er verwaltet mittlerweile die Vorräte des ägyptischen Königs. Und dann sprach Joseph jenen Satz, der auch über der Kreuzigungsgeschichte Jesu stehen könnte: "Die Menschen meinten es böse zu tun, aber Gott wendete das Böse zum Guten."

  

Was sagt uns das? Wer zweifelt, klagt in der Not Gott für das Schlechte im Leben an. Zweifel sind menschlich. Wer aber gar nicht glaubt, will nur das Gute, das Paradies auf Erden haben, und zwar immer und sofort. Wir leben in einer Zeit, die keine Geduld mehr hat, die immer den schnellen Erfolg sehen will. Wer glaubt, rechnet teils auf Grund eigener Erfahrung wie Joseph, teils aus der weitererzählten Erfahrung anderer damit, dass Gott immer noch eine Wende zum Guten bereit hält. Wer ungeduldig ist, verlangt ein Wunder hier und jetzt, und darum lässt sich Gott höchstens bitten, aber nicht zwingen. Wer hingegen Gottvertrauen hat, glaubt, dass es auch in aussichtslosen Situationen noch Zukunft gibt. Die Auferstehung von den Toten ist das kräftigste Zeichen, das selbst der mächtige Tod nicht übermächtig ist, denn die Geschichte endet gut. Wer an das ewige Leben glauben kann, glaubt auch, dass am Ende seine eigene Lebensgeschichte gut ausgeht. Der Tod ist nur ein Durchgang zu dem Leben, das er sich immer ersehnt hat.

   

Ihr Pastor Dirk Küsgen


 
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