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16.01.2018

Wie im Himmel

Am Wochenende waren wir im Theater: „Wie im Himmel“ – eine sehenswerte und berührende Aufführung des durch den gleichnamigen Film bekannt gewordenen Stoffs. Erzählen will ich allerdings nicht davon, sondern von der Pause.

Jürgen Schröder, Pfarrer in Schwelm

 

Ein Gläschen Rotwein soll es sein, in einem der dafür vorgesehenen Räume. Aber ach, alle Tische sind reserviert, gefüllte Gläser oder Flaschen stehen schon bereit. Doch nicht nur die Tische: Auch auf der Fensterbank entdecke ich, einladend aufgebaut, eine Cola und ein Pils samt Gläsern – und einem Schildchen dazwischen: „Reserviert – Fensterbank 2“. Während ich belustigt ein Foto mache, damit ich mir das später noch glaube (seit einiger Zeit besitze ich ein fotografierfähiges Telefon), kommen die beiden Frauen, offensichtlich Pächterinnen der Fensterbank,  dazu und nehmen ebenso fröhlich wie selbstverständlich ihre Stehplätze ein. Nun ja, wenn man so lange gesessen hat, schmeckt das Glas auch im Stehen.

 

Eine reservierte Fensterbank für Cola und Bier im Stehen - das Foto werde ich behalten! Vielleicht sollte ich es mir aufstellen oder besser noch: ganz fest einprägen. Damit es mir vor Augen steht, wenn mir mein Platz im Leben mal wieder zu gewöhnlich oder gar mickrig vorkommt. „Reserviert für dich!“ Wie einladend und vorbereitet das klingt! Und genau so ist es ja auch. Zumindest, wenn ich meinem Glauben traue. Dann ist nämlich dieser Platz, an dem ich gerade bin, für mich reserviert. Damit ich ihn selbstverständlich und fröhlich einnehme. Hat Gott nicht sogar den armseligen Stall von Bethlehem zur Stätte seiner Gegenwart erklärt? Wieso sollte er nicht dann auch an den Fensterbänken meines Lebens gegenwärtig sein?

 

Ich muss ja nicht dort stehen bleiben. Mit der Weihnachtsbotschaft im Rücken kann ich mich mutig und getrost aufmachen. Zum Beispiel auf den ungewissen Weg in das neue Jahr. In all die Situationen, die mich herausfordern. Und wo immer mich dieser Weg dann hinführt, ich darf glauben, dass ich schon willkommen bin. Selbst dann, wenn mich die Menschen das nicht unbedingt spüren lassen. „Du bereitest mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde“, heißt es in Psalm 23 sogar. Dann darf ich mich auch an der Fensterbank wie im Himmel fühlen!

 

Ihr Jürgen Schröder,

Pfarrer in Schwelm

 

 


 
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