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Die KRISENKOMPASS APP

Seit einem Jahr kann die KrisenKompass APP der TelefonSeelsorge Deutschland kostenfrei im Internet heruntergeladen werden.

 

von Harald Bertermann

Foto TelefonSeelsorge Deutschland

Vor einem Jahr, am 11.März 2020, ist die KrisenKompass App zum kostenfreien Downloaden bereitgestellt worden. Seitdem wurde sie mehr als 12.000-mal heruntergeladen. „Dafür, dass wir die APP pandemiebedingt noch nicht offiziell vorgestellt haben, ist das schon eine stolze Zahl“, freut sich Birgit Knatz, die zusammen mit Dr. Stefan Schumacher die TelefonSeelsorge Hagen-Mark leitet.

   

Lebensrettende Unterstützung

Die App wurde von einem Team der Telefon-Seelsorge Deutschland entwickelt. Die TelefonSeelsorge Hagen-Mark war dabei federführend beteiligt.

150.000 Euro hat das Projekt gekostet. „Wir haben uns über die Unterstützung der westfälischen Landeskirche gefreut und hätten uns gleiches auch von anderen Landeskirchen und Bistümern gewünscht., so mussten wir einen Großteil der Kosten über Fundraising einholen, was uns dann ja auch gelungen ist“, erzählt Birgit Knatz. „Wir haben uns als Team der TelefonSeelsorge Hagen-Mark bei dem Projekt stark engagiert, weil uns wichtig war und ist, mit der App einen weiteren Weg der Unterstützung anbieten zu können, der für viele wertvoll und möglicherweise auch lebensrettend sein kann.“

  

Mit der KrisenKompass App hat die TelefonSeelsorge auf die steigende Zahl von suizidalen jungen Menschen reagiert, die sich kaum oder gar nicht an Beratungsstellen wenden und meist, wenn es fast zu spät ist, die Chatbegleitung der TelefonSeelsorge nutzen. „Die App ist als Hilfe gedacht, wenn kein Gespräch möglich ist, weil man sich nicht traut oder sich schämt oder weil gerade kein freier Chat da ist. Sie will Menschen erreichen, die sonst nicht erreicht werden, denn eine App ist niederschwelliger als telefonieren, chatten oder mailen“, erklärt Birgit Knatz.

   

App als Notfallkoffer

Die KrisenKompass App ist aber nicht nur für suizidgefährdete Menschen gedacht, sondern auch für Menschen aus deren Umfeld. So bietet sie auch Hinterbliebenen Hilfe bei der Bewältigung ihres Verlusts und richtet sich an Angehörige Suizidaler, die häufig nach Möglichkeiten suchen, mit dem suizidalen Menschen gut in Kontakt zu kommen.  Diese und andere Aspekte finden sich unter der Rubrik „Wissen stärken“.

   

Der KrisenKompass ist eine Art Notfallkoffer für Krisensituationen. Mit verschiedenen Funktionsweisen wie Tagebuchfunktion und persönlichen Archiven, um positive Gedanken oder beispielsweise Fotos, Erinnerungen oder Lieder zu speichern, kann ein ganz persönliches Rüstzeug für schlechte Momente gepackt werden. Darüber hinaus gibt es Materialien, die in Krisensituationen hilfreich sind, Hinweise zu beruhigenden Techniken sowie direkte Kontaktmöglichkeiten zur TelefonSeelsorge und anderen professionellen Anlaufstellen. Das Angebot des KrisenKompass` ist als App jederzeit in Griffweite auf dem Handy und damit immer dabei, wenn es nötig wird. Der KrisenKompass funktioniert sowohl online als auch offline.

   

Orientierung und Soforthilfen

Die App bietet eine schnelle Orientierung in Krisensituationen, vor allem in suizidalen Krisen. Wenn sich der Blick verengt, wenn er zum Tunnel wird, sind klare Signale wichtig. So sind auf der ersten Seite unter „Meine Soforthilfen“ Notfallnummern, Anlaufstellen, Beratungsdienste und Online-Hilfen hinterlegt. Im Krisenfall können die wichtigsten Nummern auf einen Blick sichtbar eingegeben werden. Ein Button führt unmittelbar zur Hotline der TelefonSeelsorge. Aber auch die Kontaktdaten zu Freundinnen und Freunden, die in der Krise Halt geben, können eingegeben und mit einem Foto oder einer Sprachnachricht verknüpft werden.

   

Datensicherheit und Anonymität

Datensicherheit und Anonymität sind für die TelefonSeelsorge ein hohes Gut. Deshalb verzichtet die App auf die Angabe von persönlichen Daten und vor allem auf die Speicherung von Daten in Clouds oder ähnlichem. Alle Daten wie Telefonnummern, Audios, persönliche Fotos und das Stimmungsbarometer sind nur auf dem eigenen Gerät gespeichert. Es gibt keine direkte Verknüpfung mit Notdiensten, Krankenkassen oder Beratungsstellen. Kontakte werden ausschließlich über den eigenen Browser des Smartphones hergestellt. Nur wer es ausdrücklich möchte, kann die Daten in eine PDF umwandeln und über den Browser seines Gerätes teilen. Diese Funktion wird in therapeutischen Kontexten geschätzt: „Ich bin Psychotherapeut und arbeite mit vielen Jugendlichen, die unter Suizidalität leiden. Dankeschön für die Unterstützung durch die App!“, lautet eine von vielen positiven Rückmeldungen zur KrisenKompass App.

  

Die Entwickler der App sind dankbar für Rückmeldungen und Hinweise auf das, was gelungen ist und was verbessert werden muss - Hinweise, die sich auf fehlerhafte Funktionen beziehen, aber auch Einschätzung und Rückmeldungen zur Wirksamkeit und zu Grenzen der App. „Die App soll ein Instrument sein, erste Schritte in die Selbstwirksamkeit zu gehen“, sagt Birgit Knatz. „Sie soll helfen, Hintergründe und Emotionen betrachten, benennen und vielleicht einordnen zu können. Sie soll helfen, eigene Kraftquellen zu entdecken und verfügbar zu machen. Sie kann weder den persönlichen Kontakt, eine Beziehung noch eine nötige Therapie ersetzen. Sie kann, wenn’s gelingt, die Schritte dahin erleichtern, Wege eröffnen, ins Leben führen. Sie ist, wie das Telefon, ein Medium, das Kontakt ermöglichen, ein direktes Gegenüber jedoch nicht ersetzen kann.“

   

Hier gibt es die KrisenKompass App:

FÜR iOS: https://ios.krisen-kompass.app

FÜR ANDROID: https://android.krisen-kompass.app