Evangelische Kirche in Ennepetal, Gevelsberg, Hasslinghausen und Schwelm
 
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11.06.2018

Im Reich Gottes ist alles kostenlos

“Einmal wird uns gewiss die Rechnung präsentiert für den Sonnenschein und das Rauschen der Blätter, die sanften Maiglöckchen und die dunklen Tannen, für den Schnee und den Wind, den Vogelflug und das Gras und die Schmetterlinge, für die Luft, die wir geatmet haben, und den Blick auf die Sterne und für alle die Tage, die Abende und die Nächte. Einmal wird es Zeit, dass wir aufbrechen und bezahlen; bitte die Rechnung. Doch wir haben sie ohne den Wirt gemacht: Ich habe euch eingeladen, sagt der und lacht, so weit die Erde reicht: Es war mir ein Vergnügen!”

Pfarrer Uwe Hasenberg

Diese Gedanken von Lothar Zenetti faszinieren mich. Sie sind uralt und ewig jung. Schon im Buch des Propheten Jesaja (55,1ff.) steht geschrieben: “Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und eßt! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben. Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben!”

 

Wo gibt es denn so etwas? Hat nicht alles seinen Preis in dieser Welt? In dieser Welt schon, aber nicht im Reich Gottes. Da ist alles bezahlt und umsonst. Spätestens jetzt werden sich nicht wenige fragen: Und was ist mit der Kirchensteuer, dem freiwilligen Kirchgeld, dem Zehnten und der Kollekte? Meine Antwort lautet: Auch damit kann  im Reich Gottes nichts gekauft werden. Aber das alles dient dem Unterhalt der Gebäude, die vor Nässe und Kälte schützen, zu Versammlungsorten der Menschen geworden sind und in denen Gottes Wort gehört wird. Damit werden die Menschen im hauptamtlichen Dienst und Bedürftige unterstützt. Und das ist mir schon einiges wert. Ich vergleiche es mit dem Trinkgeld, das ich gebe, obwohl alles bereits bezahlt ist. Aber nicht so westfälisch, wie neulich im Restaurant, als der Ober sagte: “9,90 Euro.”, und der Gast meinte: “Hier haben sie 10,00 Euro. Machen Sie sich von dem Rest einen schönen Tag.”

 

Im Reich Gottes gebe ich gerne Trinkgeld, weil bereits alles bezahlt ist. Und weil alles bezahlt ist, gilt für mich: “Höret, so werdet ihr leben!” Damit der Zusammenhang zwischen dem Hören und dem Leben nicht vergessen wird, gibt es im Raum der Kirche Verkündigung und Seelsorge, Begleitung und Ermutigung. Dazu gibt es die Zeichen, die es umsonst gibt: Wasser, Brot und Wein. “Kommt zum Wasser”, sagt der Prophet im Auftrag Gottes. Für uns ist es das Wasser der Taufe. “Kauft umsonst Brot und Wein.” Für uns ist es das Brot des Lebens und der Kelch des Heils im Abendmahl.

 

Was Ihr umsonst kauft, ist wirklich umsonst. Aber nicht umsonst im Sinne von vergeblich! Euch ist verheißen, das Ihr leben werdet durch das Hören auf Gottes Wort. “Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht?” Habt Ihr darüber schon einmal nachgedacht? Es geht um das, was wir Menschen wirklich zum Leben brauchen. Und das sind nun einmal das tägliche Brot und die Worte, die wie Brot sind, Worte, die trösten und ermutigen. Immer wenn wir danach hungern und dürsten, dann brauchen wir zum Hören auf Gottes Wort nur so zu kommen, wie wir sind. Es ist alles bezahlt. ER hat alles bezahlt. Und es war ihm ein Vergnügen. Ein schönes Wochenende und einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Ihr Pastor Uwe Hasenberg.

 


 
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