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Abraham, Vater des Glaubens

Wenn wir Menschen nach ihrem Glauben fragen und dabei noch auf Christen treffen, dann kommt nicht selten die Antwort: evangelisch, katholisch, freikirchlich oder . . .

Pastor Bauer betreut in seinem Ruhestand u.a. das Haus Maria Frieden als Seelsorger. Vor 25 Jahren gründete er zusammen mit Helga Grams das Ökumenische Hospiz Emmaus.

Am Sonntag wurde in den katholischen Gottesdiensten eine Lesung aus dem Hebräerbrief /11,1-2.8-19) vorgelesen.

Darin ist von vielen Ereignissen die Rede, die Abraham aufgrund seines Glaubens erlebt hat. Diese und manche andere sind auch der Grund dafür, dass Christen Abraham als „Vater des Glaubens“ bezeichnen.

Nun stelle ich mir vor, man würde Abraham nach seinem Glauben fragen. Klar, dass er nicht katholisch oder evangelisch sagen würde. Das gab es damals noch nicht.

Ich glaube, er hätte gar nicht von „dem Glauben“ erzählt, sondern von seinem Glauben – nicht als Glaubenslehre, sondern als gelebten Glauben. Er hätte von seinem Leben erzählt, was damit passiert, wenn er sich auf seinen Gott einlässt und sich an ihn bindet.

„Vater des Glaubens“ nennen ihn die Christen. Aber wenn sie von ihrem Glauben sprechen, reden sie oft von ihrer Konfession und ihrer Kirche.

Wenn Gott uns einlädt zum Glauben, meint er die Weise des Abraham, die Bindung an ihn. Die Konfession ist zweitrangig. (Übrigens beten die Christen aller Konfessionen dasselbe Glaubensbekenntnis, denn „katholisch“, ein Wort mit griechischen Ursprung, heißt übersetzt „ allgemein, weltweit“.) Es ist ein Glaubensbekenntnis und kein Konfessionsbekenntnis.

Wieviel Freiheit den Christen gegeben, wenn sie davon sprächen, wie sie miteinander glauben, dem einen Gott glauben, wenn nicht die Lehre, sondern das Tun im Glauben an erster Stelle stünde, wenn „Vater des Glaubens“ nicht ein Titel für einen Mann der Vergangenheit sondern eine Orientierung für uns heute wäre.

Ich stelle mir vor, Ökumene wäre weniger Diskussion der Konfessionen sondern gelebter Glaube im täglichen Handeln und in den Gottesdiensten, im gemeinsamen Hören auf das Wort Gottes und im gemeinsamen Mahl.

Ihr

Ulrich Bauer