EvangelischeEv. Kirche in Ennepetal, Gevelsberg, Haßlinghausen, und Schwelm

Dazwischen.

Zwischen zwei Ereignissen liegt etwas. Zwischen zwei Gefühlen gibt es noch mehr. Zwischen Freitag und Sonntag liegt der Samstag.

Der Tag dazwischen. Zwischen Arbeit und Freizeit. Zwischen noch gedanklich in der Arbeit hängen und runterkommen. Im Wochenende ankommen. Samstag ist der Tag zwischen Tun und Lassen.

 

Nele Kaiser ist Pfarrerin in der Ev. Kirchengemeinde Milspe-Rüggeberg

Der Tag dazwischen.
Zwischen Karfreitag und Ostern.
Zwischen Tod und Leben.
Zwischen weinen und lachen.
Zwischen Bodenlosigkeit und Hoffnung.
Zwischen Leben und Tod.
Dazwischen.

Dazwischen liegen viele Stunden. Stunden voller Gefühl. Jesus ist tot. Es ging überraschend schnell. So äußert sich Pilatus. Seine Freunde, seine Familie können es kaum begreifen. Bei manchen bricht die Trauer durch, bei anderen noch nicht. Da sind Wut und Unsicherheit. Wie geht es jetzt weiter? Jesus ist tot, der auf den alle ihre Hoffnung gesetzt hatten. Karsamstag. Kar ist Griechisch von kara und heißt Trauer, Kummer, Klage. Da hat all das seinen Platz, was dazwischen liegt. Zwischen Leben und Tod. Zwischen Tod und Leben. Dazwischen.


Zeit seines Lebens ging er dazwischen. Zwischen die Streitenden. Zwischen die Ehebrecherin und die, die sie steinigen wollen. Er stellte sich zwischen Arm und Reich. Zwischen die Ausgegrenzten und Ausgrenzer:innen. Er stellte sich zwischen das Volk und die politischen Führer. Er trat ein für die ohne Stimme, ohne Macht, ohne Fürsprecher:innen. Er trat dazwischen.

Manchmal fühlt es sich an, als stünde nicht nur Jesus zwischen den Stühlen, sondern auch ich. Was ist wahr, was falsch? Woran soll ich noch glauben und mich festhalten? Mehr links, mehr rechts? Die verschiedenen Stimmen sind laut. Wollen sich übertreffen. Ich habe die Wahrheit. Nein, ich! Dazwischen. Manchmal hänge ich dazwischen. Zwischen dem all dem, was auf mich einstürzt an Worten, an Entscheidungen. Jesus hing auch dazwischen. Links und rechts von ihm hing noch je ein anderer. Er dazwischen.

Und Jesus war und ist und wird immer sein zwischen Himmel und Erde. Von Gott kommt er. Zu den Menschen geht er. Vermittelt zwischen Gott und Mensch. Lebt und liebt gottgleich. Leidet und stirbt menschengleich. Dazwischen.

Und ich? Ich bin auch dazwischen. Zwischen Sünderin und Gerechte. So fühle ich mich. Unperfekt, manchmal unvermögend, ja hilflos und ohnmächtig. Und doch fühle ich mich auch geliebt, geborgen, angenommen. So wie ich bin. Dazwischen. Zwischen der, die ich bin und die, die ich sein möchte. Zwischen der, die ich bin und die, die ich auch bin. Ich fühle mich zwischen Glauben und Zweifel. Kann das mit Jesus und seinem Tod und dem ewigen Leben wirklich so sein? Ich bin hin- und hergerissen. Dazwischen. Dazwischen ist Jesus. Zwischen dem vertikalen und dem horizontalen Balken des Kreuzes. Jesus ist zwischen mir und Gott, zwischen meinem Glauben und Unglauben. Er ist zwischen Leben und Tod und zwischen Tod und Leben. Dazwischen. Für mich.

    

Ihre Nele Kaiser