EvangelischeEv. Kirche in Ennepetal, Gevelsberg, Haßlinghausen, und Schwelm

Friedenspreis an Arbeitskreis Christen und Muslime überreicht

Vorsitzender des Kuratoriums Martin Moik hielt die Festrede

Der Arbeitskreis Christen und Muslime erhielt den Friedenspreis 2013 der Stadt Ennepetal.

Zahlreiche Gäste waren zur Preisverleihung ins Foyer des Hauses Ennepetal gekommen.

  

 

Seit März des vergangenen Jahres gibt es in Ennepetal den Arbeitskreis Christen und Muslime. Sein Ziel ist es, die jeweils andere Religion zu verstehen und für Toleranz einzutreten. Im September hat das „Kuratorium Friedenspreis“ entschieden, den Arbeitskreis Christen und Muslime mit dem Friedenspreis 2013 auszuzeichnen. Am Sonntag, den 17. November  wurde der Preis in einer Feierstunde im Foyer des Hauses Ennepetal übergeben.

   

Bürgermeister skizzierte die städtischen Aktionen zur Integration

In seinem Grußwort skizzierte Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen die Aktionen der Stadt, Toleranz und gegenseitige Akzeptanz zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zu fördern, hob die Rolle von Frauennetzwerk und Integrationsrat für die Gründung des Arbeitskreises hervor und dankte der Gleichstellungsbeauftragten Sabine Hoffmann und dem Geschäftsführer des Integrationsrats Michael Schmidt für die Unterstützung bei der Entwicklung des Arbeitskreises.

  

Martin Moik: Trennendes Überwinden

Der Vorsitzende des Kuratoriums Ennepetaler Friedenspreis, Martin Moik, zitierte eingangs seiner Rede den Bernhard von Clairveaux: „Vertiefen wir, was uns verbindet, überwinden wir, was uns trennt, bewahren wir, was uns unterscheidet.“

Es sei alltägliche Erfahrung, dass in der interkulturellen Begegnung als erstes die Frage nach dem Trennenden, dem Unterschied, gestellt werde. Und genau das Trennende sei zu überwinden.

  

„Mit der Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört“, so Martin Moik, „werden wir dieses Problem sicherlich nicht lösen. Vor allem bei jungen Muslimen, deren Familien mittlerweile schon in der vierten Generation in Deutschland leben, die hier geboren und aufgewachsen sind, hier einen Arbeitsplatz ausfüllen, Steuern zahlen, eventuell einem Verein angehören oder sich ehrenamtlich engagieren und sich zugehörig zu Deutschland fühlen, kann eine solche Frage, selbst wenn sie rein sachlich-historisch gestellt wird, zu inneren Verletzungen führen. Denn was bei ihnen ankommt ist die Frage, ob sie selbst als Muslime zu Deutschland gehören oder nicht.“

  

Abbau von Vorurteilen und Vorbehalten nur in der persönlichen Begegnung

Um das zu beantworten, müsse man offen und gleichberechtigt aufeinander zugehen können. Man müsse es zulassen, auch kritische Fragen in gegenseitigem Respekt stellen zu können und es akzeptieren, dass unterschiedliche Sichtweisen bestehen blieben. Nur in der persönlichen Begegnung zwischen Christen und Muslimen ließen sich Vorurteile abbauen und gegenseitiges Verständnis fördern.

  

Die Begegnungen und Gespräche, wie sie unter anderem auch vom Frauennetzwerk und vom Integrationsrat initiiert würden,  führten aber vor allem dazu, dass sich Christen und Muslime menschlich näher kommen, sich besser verstehen lernen und dabei das vertiefen, was sie miteinander verbinde. Und das seien zu einem großen Teil ganz alltägliche Dinge, wie familiäre und berufliche Interessen, Reisen, Hobbies und ähnliches. Insbesondere aber führe es dazu, zu erkennen, welche Werte dem anderen etwas bedeuten und diese auch als Werte anzuerkennen. Dies sei eine wesentliche Voraussetzung für Integration.

  

Unterschiede bewahren

Die dritte Forderung Bernard von Clairvaux sei so besonders wichtig: „Bewahren wir, was uns unterscheidet!“  Dies gilt allerdings für Christen ebenso wie für Muslime oder Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften. Ein Verbot von Weihnachtsfesten und Ramadan auf öffentlichen Straßen und Plätzen wie im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg oder der erst Anfang der vergangenen Woche in Presse und Fernsehen öffentlich gemachte Vorschlag, das Sankt-Martins-Fest durch ein Sonne-Mond-und-Sterne-Fest zu ersetzen, trügen sicherlich nicht zu einem besseren Verständnis und  einem friedlichen Umgang von Menschen unterschiedlichen Glaubens bei.  „Wer seine Werte nicht mehr leben darf, der verliert seine Identität.“

  

Fremdes Kulturgut anzuerkennen bereichert

„Wie vieles aus den Bereichen der Kunst, der Musik, der Literatur, der Gastronomie oder auch aus den unterschiedlichen sozialen und religiösen Bereichen, das uns heute zur Selbstverständlichkeit geworden ist, würde uns inzwischen fehlen, wenn es nicht diejenigen, die einmal fremd in unser Land gekommen sind, als das bewahrt hätten, was sie von uns unterscheidet.“

  

Wer angesichts der Diskussion um den Bau von Moscheen in Deutschland als Voraussetzung fordere, dass im Gegenzug in den Heimatländern der hier lebenden Muslime der Bau christlicher Kirchen gestattet werden müsse, übersehe, dass die hier lebenden Menschen auf die Entscheidungen im Heimatland keinen Einfluss hätten.

   

Das Verbindende vertiefen

„Es darf daher in keinem Falle sein, dass Benachteiligungen von Christen in islambestimmten Ländern zum Anlass genommen werden, den Kontakt zu Muslimen hier bei uns zu meiden oder auch, sie in ihrer Religionsausübung bei uns einzuschränken“, mahnte Martin Moik, und schloss seine Rede mit einer Vision: „Ich habe die Hoffnung, dass immer mehr Christen und Muslime gemeinsam das Trennende überwinden und das Verbindende vertiefen, und dass sich so eines Tages, auch wenn dies noch ein weiter Weg ist, das zurzeit weltweit doch sehr angespannte Verhältnis zwischen Christentum und Islam zu einem friedvollen Miteinander wandelt.“

   

Den Preis nahm der Geschäftsführer des Arbeitskreises Christen und Muslime, Michael Schmidt, entgegen und dankte, wie auch Ishak Kilic und Hatice Birgül, der Stadt und dem Kuratorium für die Unterstützung der integrativen Projekte.

   

Unterhaltsames Rahmenprogramm

Das Rahmenprogramm wurde von den JeKi-Chorkindern, den Instrumentalschülerinnen und dem Chor der Musikschule Ennepetal gestaltet. Die Leitung lag bei Susanne Filler (Musikschule).   Das Fazit der Zuhörerschar: „Ein überzeugendes Plädoyer für Toleranz und Respekt“. (Heinz Kraft)