EvangelischeEv. Kirche in Ennepetal, Gevelsberg, Haßlinghausen, und Schwelm
Kontakt und Info

Die wichtigsten Stationen des Evangelischen Beratungszentrums Ennepetal

Vorgeschichte

 

Bereits Anfang der 60er Jahre wird im Ennepe-Ruhr-Kreis der Plan verfolgt über das Kreisgesundheitsamt eine Erziehungs- und Familienberatungsstelle (EFB) einzurichten. Die benachbarten Großstädte - vor allem Hagen - sind wegen Überbeanspruchung nicht mehr in der Lage, Ratsuchenden aus unserem Bereich Hilfe zu geben. Es soll ein ortsnahes Beratungsangebot geschaffen werden, "um den Kindern und Jugendlichen, deren Eltern und Erziehern, sowie Verlobten und Ehepaaren bei ihren mannigfachen Schwierigkeiten in Erziehungs- und Lebensfragen zu helfen". Der Kreistag fasst entsprechende Beschlüsse, die Realisierung scheitert zunächst an der Raumfrage.

 

Daraufhin entscheidet die Synode des Kirchenkreises Schwelm im Sommer 1964 in Abstimmung mit den Organen des Ennepe-Ruhr-Kreises eine Erziehungs- und Familienberatungsstelle (EFB) in evangelischer Trägerschaft einzurichten. Maßgeblicher Initiator dieses Vorhabens ist der Oberstudiendirektor Dr. Fritz Textor aus Ennepetal. Ein Kuratorium wird mit der Gründung und Leitung beauftragt.

 

Es dauert zwei Jahre, bis die finanziellen und räumlichen Fragen geklärt sind und qualifiziertes Personal gefunden ist.

 

Beginn

 

Die EFB nimmt ihre Arbeit zum 1. April 1966 als Erziehungsberatungsstelle in Ennepetal-Milspe, Kirchstraße 49 auf. Feierliche Eröffnung: 22.07.1966. 

Das erste Team setzt sich zusammen aus einem Psychologen (Leiter), einer Psychagogin (kindertherapeutische Fachkraft), einem Fürsorger und einer Sekretärin.

Das Team wird stundenweise nebenamtlich von einem Facharzt für Psychiatrie und Neurologie unterstützt, bei juristischen Fragen im Bedarfsfall von einem Amtsgerichtsrat.

 

1960er Jahre

 

Jahre des Aufbaus. Haupteinzugsgebiet ist der südliche Ennepe-Ruhr-Kreis mit den Städten Ennepetal, Schwelm und Gevelsberg.

In Hattingen wird 1968 eine Außensprechstunde eingerichtet, die an zwei Tagen im Monat besetzt ist, da es dort noch keine Beratungsstelle gibt. Schon bald wird deutlich, dass dringend ein räumlicher und personeller Ausbau erforderlich ist.

Neben der Beratungsarbeit engagieren sich die Mitarbeiter durch intensive Vortragstätigkeiten zu Erziehungs- und Entwicklungsfragen im gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis.

 

Die Beratungsstelle wird in der Bevölkerung gut angenommen. Die meisten Menschen finden über Mundpropaganda und Presse zu uns, ein großer Teil wird über Schulen, kirchliche Dienste, Jugendämter und Ärzte zugewiesen.

 

1970er Jahre

 

Die Arbeit der noch jungen EFB wird Anfang 1970 überschattet durch den plötzlichen Tod des Leiters. Zu diesem Zeitpunkt wird wegen der hohen Beratungsnachfrage bereits die Einrichtung einer zweiten Psychologenstelle für dringend erforderlich gehalte.

 

1973 richtet der Ennepe-Ruhr-Kreis eine weitere Erziehungsberatungsstelle ein - die erste in eigener Trägerschaft. Der Aufbau von Erziehungsberatungsstellen in Hattingen und Wetter durch den Ennepe-Ruhr-Kreis folgt.

 

Die 1970er Jahre sind insgesamt geprägt durch häufige personelle Wechsel und kommissarische Leitungen.

 

Mitte der 1970er Jahre

 

  • Zum 10-jährigen Bestehen beschließt und besetzt der Kirchenkreis 1976 eine zweite Psychologenstelle.
     
  • 1977 kommt auf Anregung des Präses der EKvW als weiteres Aufgabengebiet die Schwangerschaftskonfliktberatung hinzu. Zusätzliches Personal wird dafür nicht eingestellt.
     
  • Die Ehe- und Lebensberatung gewinnt zunehmend an Bedeutung: Es werden verstärkt auch Erwachsene beraten, die nicht Etern sind. 
     
  • Der Name wechselt: Aus Ev. Erziehungs- und Familienberatungsstelle wird Ev. Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

 

1980er Jahre

 

Mit Beginn der 1980er Jahre konsolidiert sich der Personalstand. Zum 15.03.1981 ist ein Beratungsteam aufgebaut, das über längere Zeit in gleicher Besetzung zusammenarbeiten kann:

 

1 Psychologin (Leiterin), 1 Psychologe, 1 Heilpädagogin, 1 Sozialarbeiter und 2 Teilzeit-Sekretärinnen.

 

Die Beratungskapazität beträgt damit 160 Beraterstunden/Woche und bleibt bis zum Jahr 2001 nahezu unverändert.

 

Die Beratungsperpektive verändert sich: Der soziale Kontext des zur Beratung angemeldeten Individuums wird mehr und mehr grundsätzlich und selbstverständlich in die Beratung einbezogen. Familienberatung/Familientherapie werden zur Grundlage beraterischen Denkens.

 

1990er Jahre

 

Anfang der 1990er Jahre rückt die Schwangerschaftskonfliktberatung in den Blickpunkt und schlägt hohe Wellen:

 

  • Die Sommersynode 1990 spricht sich mit großer Mehrheit dafür aus, Schwangerschaftskonfliktberatung in bewährter Form weiterzuführen. Vorausgegangen war eine Initiative, die einen Rückzug des Kirchenkreises aus der Schwangerenberatung anstrebte. 

     
  • Nach über 20jähriger Tätigkeit in der Kirchstraße 49 in Ennepetal müssen neue Räume gefunden werden, da der Mietvertrag wegen der Schwangerschaftskonfliktberatung nicht verlängert wird. 

     
  • Die Beratungsstelle findet ein neues Domizil in kircheneigenen Räumen: Das ehemalige Superintendentenhaus wird mit großem Aufwand umgebaut. Es werden funktionale und ansprechende Beratungsräume geschaffen. Vor allem der kindertherapeutische Bereich bekommt endlich angemessenen Raum und macht es möglich, auch mit größeren Gruppen zu arbeiten. 

     
  • Am 15.07.1994 erfolgt der Umzug in die Birkenstraße 11. Der neue Standtort wird von der Bevölkerung sehr gut angenommen. Die ruhige Lage tut den Beratungsprozessen gut. Die Anmeldezahlen steigen weiter kontinuierlich.

 

2000er Jahre

 

  • 2000 erfolgen intensive Verhandlungen mit dem Ennepe-Ruhr-Kreis zwecks Aufbau einer ausgewogenen Versorgungsstruktur für Schwangerschaftskonfliktberatung im gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis unter Berücksichtigung der Trägervielfalt.
     
  • Es wird entschieden Evangelische Schwangerschaftskonfliktberatung im Ennepe-Ruhr-Kreis in Ennepetal und Witten zu verankern.
     
  • 2001 erfolgt der vom Land vorgegebene Mindest-Personalausbau: Unser Beratungsteam vergrößert sich um zwei halbe Beraterstellen und eine halbe Verwaltungskraft. Damit verfügt der Arbeitsbereich der Schwangerenberatung/Schwangerschaftskonfliktberatung erstmals seit 1977 über ein eigenes Stundenkontingent. 
     
  • In Witten wird in Kooperation mit dem Diakonischen Werk des Kirchenkreises Hattingen/Witten an zentraler Stelle eine Außenstelle eingerichtet, die am 05.09.2001 als Ev. Beratungsstelle für Scwangerenkonflikte und Partnerschaftsprobleme eingeweiht wird. Die Außenstelle wird rasch gut angenommen und frequentiert. 
     
  • Mit Unterstützung des Landes kann zum 01.11.2001 - erstmalig seit Bestehen der Beratungsstelle - die Stelle einer Sozialpädagogin im Anerkennungsjahr geschaffen und besetzt werden. Über diese Stelle wird der Jugendhilfebreich fachlich ausgebaut. Insbesondere die Arbeit mit Gruppen bekommt dadurch mehr Kontinuität. 
     
  • Ende 2003 wird der Wunsch der Süd-Kommunen des Ennepe-Ruhr-Kreises an uns herangetragen, zukünftig Erziehungsberatung "aus einer Hand" zu bekommen. 
     
  • 2004 erfolgen diesbezüglich intensive Vertragsverhandlungen.
     
  • Zum 01.01.2005 wird unserer Beratungsstelle die Gesamtversorgung der Erziehungsberatung für die Städte Ennepetal, Gevelsberg, Schwelm und Sprockhövel übertragen.
     
  • Unser Beratungsteam wird durch zwei - zunächst bis Ende 2008 befristete - Planstellen (Diplom-Sozialpädagogin/Diplom-Sozialpädagoge) erweitert. Die Stelle für Jahrespraktikanten fällt in diesem Zusammenhang weg. 
     
  • Zum 24.06.2005 wird in Niedersprockhövel eine Außensprechstunde eingerichtet, die an zwei Nachmittagen Beratung vor Ort anbietet. 
     
  • Anfang 2009 werden die beiden befristeten Planstellen entfristet. In diesem Jahr entwickelt das Team auch die Idee, der Beratungsstelle einen anderen Namen zu geben, um die örtliche und thematische Ausweitung deutlich zu machen. Mit Zustimmung des Trägers ändert die Beratungsstelle ihren Namen in Evangelisches Beratungszentrum. Zwei Jahre später erhält das Beratungszentrum auch ein etwas verändertes Aussehen, die erste größere Sanierung wird 2011 durchgeführt. 
     
  • Zum 1. Januar 2011 zieht die Nebenstelle in Witten von der Pferdebachstraße in die Röhrchenstraße 10 um. Damit ist sie in einem Haus untergebracht, in dem auch andere Beratungsangebote der Diakonie zu finden sind. 
     
  • In den folgenden Jahren zeichnet sich schon der Generationswechsel ab. Mitarbeiter des Beratungszentrums gehen in Altersteilzeit oder in Rente, jüngere Fachkräfte werden eingestellt. Für die zunehmende Kooperation mit den örtlichen Familienzentren wird die Beratungskapazität um einige Stunden erhöht. Im Sekretariat wird noch ein weiterer Arbeitsplatz geschaffen und eine neue Mitarbeiterin eingestellt. Auch durch Erziehungszeiten kommt es zu personellen Veränderungen.

 

Das Team der Beratungsstelle besteht jetzt aus 13 Personen:

 

Für die Erziehungsberatung/Ehe- und Lebensberatung:

 

2 Diplom-Psychologinnen - Vollzeit

1 Diplom-Sozialarbeiter - Teilzeit

1 Diplom-Heilpädagogin - Teilzeit

1 Diplom-Rehabilitationspädagogin - Vollzeit

1 Diplom-Sozialpädagogin - Teilzeit

1 Diplom-Sozialpädagoge - Vollzeit

3 Sekretärinnen - Teilzeit

 

Beratungsvolumen: Etwas mehr als 6 Planstellen

 

Für die Schwangerenberatung/Schwangerschaftskonfliktberatung:

 

1 Sozialpädagogin, grad. - Teilzeit

1 Diplom-Sozialpädagogin - Teilzeit

1 Sekretätin - Teilzeit

 

Beratungsvolumen: 1 Planstelle

 

Die Beratungskräfte verfügen über eine Vielzahl therapeutischer Zusatzausbildungen.

 

Perspektiven

 

Die Arbeit hat sich über die Jahre zwangsläufig verändert: In den Gründerjahren umfasste das Aufgabenspektrum eine ganze Reihe von Fragestellungen, die inzwischen überwiegend vom kinderpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamtes bzw. anderen Beratungsstellen übernommen werden: Gutachten, Schulreifeuntersuchungen etc. Dafür sind neue Aufgabengebiete hinzugekommen.

 

Seit der Gründerzeit spielen Schulprobleme und deren Auswirkungen auf die Familien (soziale Auffälligkeiten, Leistungsprobleme, Konzentrationsstörungen etc.) inhaltlich eine große Rolle.

 

Über die Jahre stark zugenommen hat auch die Beratung im Kontext von Trennung und Scheidung. Insbesondere das aktuelle Familienrecht hat der Beratung einen Stellenwert zugewiesen, der vielfältigen und intensiveren Beratungsbedarf nach sich zieht.

 

Das Beratungsteam bildet in seiner heutigen Größe ein buntes, vielfältiges und breites Spektrum ab, sowohl hinsichtlich der Methoden als auch hinsichtlich thematischer Schwerpunkte. Der Personalausbau der letzen Jahre hat unser Team auf eine Größe gebracht, die es möglich macht, in unterschiedlichen Konstellationen gezielt Projekte/neue Zielgruppenangebote zu entwickeln, die sich aus unserer inhaltlichen Arbeit ergeben.

 

So gehören Trennungs-/Scheidungskinder-Gruppen zu unserem regelmäßigen Angebot. Auch andere Gruppenangebote wie die Paargruppe, die Pflegeelternsupervision und das Pubertäts-Café werden gut angenommen.

 

Mit der Übertragung der Gesamtverantwortung für Erziehungsberatung im südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis hat sich seit 2005 eine sehr kontruktive und verbindliche Kooperation mit der öffentlichen Jugendhilfe entwickelt. In gemeinsamer Verantwortung geht es darum, die Bedarfsentwicklung zu fokussieren und Beratungsangebote einvernehmlich weiterzuentwickeln und abzustimmen.

 

Durch den Auf- und Ausbau der Familienzentren hat sich ebenfalls viel bewegt. Wir kooperieren mit fast allen Familienzentren in unseren Kommunen. Die Vernetzung mit den Fachkräften in den Einrichtungen hat zugenommen. Durch die Möglichkeit von Sprechstunden in den jeweiligen Einrichtungen finden viele Eltern erstmals einen Zugang zur Beratung. In diesem Kontext kommt auch der trägerübergreifenden Initiierung gemeinsamer Projekte immer größere Bedeutung zu.

 

Nicht so umfangreich aber immer selbstverständlicher nachgefragt ist auch die Beratung für Menschen, die nicht - oder nicht mehr - für Kinder sorgen. Beziehungsgestaltung, Umgang mit Verlust und die Entwicklung neuer Perspektiven, Bewältigung schwieriger Lebensereignisse sind hier Themen.