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Der Corona-Plan für Familien

Anregungen von Dipl. Sozialpädagoge Roland Wetter, wie Familien  mit der neuen Situation umgehen können.

 

Die Corona–Krise ist für Familien eine große Herausforderung und löst bei vielen Ängste und Verunsicherung aus. Kinder gehen nicht mehr in Kita oder Schule, Eltern müssen ihre Kinder ohne Oma und Opa alternativ betreuen, Spielplätze und Jugendzentren sind geschlossen und Gruppenangebote der Vereine und Kirchen ruhen. Auch um ihre Arbeitsplätze machen sich einige Eltern Sorgen. Damit funktionieren gerade wichtige Strukturen nicht mehr so wie zuvor. Strukturen sind jedoch wichtig, damit Familien ihren Alltag gut und sicher bewältigen können.

  

Der Corona–Plan für Familien ist eine Möglichkeit für Eltern mit ihren Kindern über die Situation ins Gespräch zu kommen, Fragen zu beantworten, sich selbst Strukturen zu schaffen und damit für alle ein wenig mehr Sicherheit und Orientierung zu geben. Durch die Mischung aus Reden, Malen und Basteln können Familien die Erfahrung machen, in einer schwierigen Zeit leichter miteinander im Kontakt zu bleiben, Sorgen zu teilen und Lösungen für Probleme zu finden. Der Corona-Plan zielt darauf ab, die Stärken und Fähigkeiten der Familien in den Blick zu nehmen. Er ist ein kreatives Medium, welches helfen kann, die Familienbeziehungen in unruhigen Zeiten zu beruhigen und zu sichern.

 

Material: Ein großes Flipchart-Papier oder Karton, verschiedene Stifte und alles was noch an Bastelutensilien im Haus ist.

 

Und so könnten Sie gemeinsam starten (Anregungen):

  1. Sammeln der verschiedenen Aspekte: z.B. Corona-Regeln, Tagesablauf, Beschäftigungsliste und was sonst noch ansteht.
  2. Jeder der Bereiche bekommt einen Raum auf dem Plakat.
  3. Jetzt können die einzelnen Aspekte gesammelt und anschließend in die Räume geschrieben werden.
  4. Nun wird der Corona-Plan kreativ gestaltet und bunt bemalt. Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Dabei darf auch Freude aufkommen.
  5. Im Verlauf ergeben sich Fragen der Kinder, die dann auch einen Platz auf dem Plan bekommen können und besprochen werden können.
  6. Zum Schluss wird ein guter Platz in der Wohnung gesucht und das Plakat aufgehängt. Nun kann immer mal wieder darüber gesprochen, Aspekte ergänzt und Lösungen für Probleme gefunden werden, die im Verlauf entstehen. Wichtig ist, jede Familie entwickelt ihren ganz eigenen Corona-Plan.

Wir vom EBZ wünschen Ihnen und Euch gutes Gelingen!

 

 

... für Jugendliche

In den letzten Tagen erreichen uns anlässlich der Corona-Pandemie immer mehr Anfragen von Jugendlichen und ihren Familien. Einige berichten, dass sie die aktuelle Situation zunehmend als Belastung erleben. Das EBZ hat daher ein paar Ideen zusammengestellt die dabei unterstützen können, das Wohlbefinden leicht zu steigern und wieder mehr Zufriedenheit zu erleben. Dipl. Sozialpädagoge Roland Wetter lädt Jugendliche ein, die folgenden Ideen als Experimentierfeld zu betrachten.

 

Jugendliche brauchen soziale Rahmenbedingungen

Auch für Jugendliche hat die Corona-Pandemie große Auswirkungen. In kaum einer Lebensphase erscheinen äußere Beschränkungen, wie wir sie derzeit erleben, so lähmend. Ihnen wird per Erlass untersagt, zur Schule zu gehen und damit ihre persönlichen sozialen Kontakte zu pflegen, ihre Ausbildung weiter zu absolvieren, sich mit Freunden im Park oder in der Stadt zutreffen, Sport im Verein zu machen oder sich einfach im Lieblingscafé zu verabreden – alles gerade so nicht möglich. Dabei brauchen gerade Jugendliche soziale Rahmenbedingungen, die sie für sich als sinnvoll erachten und die sie dabei begleiten, ihren Weg zum Erwachsenen zu finden.

 

Experimentierübungen

Für Jugendliche sind aus unserer Erfahrung als Berater im EBZ „Tipps“ oder „Ratschläge“ oftmals ungeeignet, da diese zuweilen als Bevormundung ankommen. Daher möchten wir eher dazu einladen die folgenden Ideen als Experimentierfeld zu betrachten, dass jederzeit modifiziert oder verworfen werden kann. So ist es leichter möglich zu schauen, was gerade passend für die individuelle Lebenssituation des Jugendlichen ist und was nicht. Der/Die Jugendliche kann selbst entscheiden!

Experimentierübungen für die nächsten 4 Wochen:

  • Statt einfach irgendwann mittags aufzustehen, lieber morgens um zwischen 8:00 und 9:00 Uhr aufstehen und den Tagesbeginn aktiv gestalten (z.B. Frühstücken, warme Dusche, nur ein Kaffee oder etwas anderes Trinken, u.a.)
  • Irgendwann am Tag eine körperliche Aktivität durchführen: Eine Runde um den Block gehen, eine kleine Tour mit dem Rad, Joggen im Wald oder ein paar Fitnessübungen zuhause.
  • Regelmäßig eine Lernzeit planen und sich mit dem Schulstoff beschäftigen. Den Beginn und das Ende der Lernzeit selbst bestimmen und Pausen einplanen. Lernziele festlegen.
  • Kontakt zur Familie und Freunden gestalten. Vielleicht gemeinsame Mahlzeiten mit der Familie 1-2 x täglich, zusammen eine TV-Serie oder youtube-Videos schauen. Sich mit einem Freund/ einer Freundin verabreden (max. 2 Personen), eine Videokonferenz mit Freunden oder Klassenkameraden initiieren (Anbieter gibt es inzwischen zahlreiche) oder einfach telefonieren oder eine Postkarte an Oma oder Opa schreiben.
  • Eine feste, regelmäßige Aufgabe im Haushalt übernehmen. Diese Aufgabe soll für den Jugendlichen gut alleine machbar sein und er sollte sich selbst für eine entscheiden können.
  • Sich aus seriösen Medien möglichst sachlich über Corona informieren. Sachliche Informationen schaffen eher Sicherheit als reißerische Berichte. Medienzeiten mit sich vereinbaren und Medien-Pausen einlegen und wieder Abstand zur Corona-Pandemie bekommen.
  • Ein leeres DIN 4 Blatt Papier nehmen und aufschreiben: Wer ist mir wichtig? Was kann ich gut und was mach ich richtig gerne? Was macht mir manchmal Sorgen? Wie stelle ich mir die Zeit nach Corona vor? Was soll dann anders sein als zuvor? Was habe ich besonders schätzen gelernt in den letzten Wochen? Was hilft mir, Abstand zu Corona zu bekommen?
  • Raum für eigene kreative Ideen!

 

Wichtig:

Bei diesen Experimentieraufgaben geht es nicht darum, dass sie den Jugendlichen alle unglaublich viel Spaß machen und dass sie sie die nächsten Jahre ausführen. Es geht auch nicht darum, diese Ideen alle durchzuführen, sondern sich vielleicht ein paar davon auszusuchen. Ziel dieser Übungen ist es, die Selbstwirksamkeit der Jugendlichen in den nächsten 4 Wochen zu erhöhen! Selbstwirksamkeit meint die Erfahrung, etwas aus eigener Kraft bewerkstelligen und schaffen zu können. Menschen, die sich als selbstwirksam erfahren, sind zufriedener und sie können leichter mit Einschränkungen umgehen. Auf vieles, was derzeit geschieht, haben wir keinen direkten Einfluss. Wir haben jedoch großen Einfluss darauf, wie wir mit den Beschränkungen umgehen und ob wir uns selbstwirksam erleben. Es darum, das Leichte im Schweren zu erfahren und das Schwere leichter werden zu lassen. Und dazu möchte ich Jugendliche einladen und neugierig machen!

 

 

... für Paare

Dipl. Sozialpädagogin Alexandra Krüger gibt Tipps zum „Balanceakt in Kontakt zu bleiben: Paare und Partnerschaft in der Corona-Pandemie“

 

Miteinander und den eigenen Bedürfnissen jeden Tag aufs Neue in Kontakt zu bleiben, ist die tägliche Herausforderung vor die Paare in ihren Partnerschaften aktuell gestellt sind. Um diese Herausforderung annehmen zu können, haben wir vom Evangelischen Beratungszentrum (EBZ) Anregungen für Sie zusammengestellt:

 

Sicheren Rahmen durch Alltagsabsprachen

Schaffen Sie sich als Paar eine Alltagsstruktur und treffen Sie konkrete Absprachen wer für was zuständig ist und was zu erledigen ist:

Was benötigt die Person, die Homeworking und Kinderbetreuung übernimmt?

Was braucht die Person, die in existenziellen Berufen tätig ist oder weiterarbeiten geht?

Wer klärt von uns, wie wir an Hilfe und Unterstützung zu unserer Absicherung kommen?

Wann hat jeder von uns auch Zeit für sich allein zur freien Verfügung und Gestaltung?

Wechseln sich Geben und Nehmen bei uns immer wieder ab, oder gibt es eine Schieflage die gerade nötig und wichtig ist, oder kleiner Veränderungsschritte bedarf?

 

Gemeinsame Aktivitäten zu zweit:

Wunschglas: Jeder schreibt jeweils eine konkrete Aktivität mit dem Partner auf einen kleinen Zettel ohne vorherigen Austausch und wirft sie in das Glas. Im vereinbarten Rhythmus wird abwechselnd eine Aktivität gezogen und in die Tat umgesetzt.

Collage der Lieblingsmomente: Aus ihren Fotos, Zeitschriften und anderen kreativen Materialien gestalten Sie eine gemeinsame Collage, nach dem sie sich ihre Momente jeweils erzählt haben.

Ein Urlaubsmoment: Entführen Sie abwechselnd ihren Partner / Partnerin an ihren Lieblingsurlaubsort und gestalten sie die Zeit mit Musik, Dekoration, Bildern, Kleidung und einem landestypischen Essen.

  

Kommunikation ist Dreh- und Angelpunkt:

Schallplatte aus immer wiederkehrenden Songs an Vorwürfen unterbrechen. Machen Sie deutlich, dass sie sich jetzt gerade nicht mehr wohl fühlen und zu einem späteren Zeitpunkt das Gespräch fortsetzen wollen. Diese Unterbrechung halten Sie beide ein.

Blackbox: Werfen Sie die Themen ihrer Partnerschaft in einen Karton, bei denen sie sich aktuell eine Verschnaufpause gönnen wollen. Benennen sie kurz das Thema, halten es mit einem Stichwort auf der Karte fest. Diese Themen sind Zukunftsmusik.

VW – Regel Vorfahrt geben: Konflikte und Auseinandersetzungen lassen sich deeskalieren, wenn Sie Vorwürfe in Wünsche verwandeln.

5:1 Beziehungs-Glückprinzip (John Gottmann): Achten Sie darauf sich im Verhältnis 5-mal etwas Liebes, Positives, Komplimente, zu 1-einmal Kritik üben - zu sagen.

   

Krise fordert Sie als Paar zu Entwicklung heraus …

Welche Möglichkeiten ergeben sich gerade jetzt in unserem Alltag, die sonst zu kurz kommen?

Welche Fähigkeiten und Ressourcen erlebe ich bei mir und meinem Partner / Partnerin in der Bewältigung der aktuellen Situation?

Wenn wir als Paar in einem Jahr auf diese Corona-Pandemie zurückblicken – möchten wir gerne über uns folgendes sagen …

 

 

... für ältere und alleinstehende Menschen

Auch für viele ältere und alleinstehende Menschen ist die Corona-Pandemie eine besondere Herausforderung. Sie werden oftmals als sog. „Risikogruppe“ beschrieben, die sich besonders schützen sollte, indem sie körperlichen Abstand zu ihren Mitmenschen hält. Dabei sind soziale Kontakte für ältere und alleinstehende Menschen besonders wichtig. Dipl. Sozialpädagoge Roland Wetter hat Ihnen für diese herausforderne Zeit einige Informationen zusammengestellt.


Struktur für den Tag und die Woche
Planen Sie die Mahlzeiten, die Hausarbeitszeiten und wann Sie einkaufen gehen.
Vereinbaren Sie mit sich, wann Sie sich Zeit fürs Lesen nehmen, Ihre Lieblingssendungen im Fernsehen schauen, Blumen pflanzen oder Ihre Gymnastikübungen machen.


Regelmäßige Aktivität
Gehen Sie, wenn möglich, täglich nach draußen eine Runde spazieren oder walken. Regelmäßige körperliche Aktivität kann unser Wohlbefinden deutlich steigern.


Kontakte zu Familie, Freunden und Bekannten
Telefonieren Sie regelmäßig mit den Menschen, die Ihnen wichtig sind. Sprechen Sie neben der Corona-Pandemie auch über leichtere und angenehmere Themen.
Schreiben Sie eine Postkarte oder einen Brief an jemanden, der Ihnen wichtig ist.
Viele ältere Menschen nutzen inzwischen auch modernere Medien, wie WhatsApp usw.


Seriöse Informationen
Informieren Sie sich aus seriösen Quellen über Corona (Robert-Koch-Institut, Behörden, Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsender). Seriöse Medien informieren sachlich und bieten damit Orientierung.


Hilfe
Nehmen Sie bei Bedarf Hilfe in Anspruch:
Telefonische Beratung im EBZ unter 02333 60 97 - 0
Telefonseelsorge 0800 111 0 111


Der Blick nach vorn
Vielleicht ist es Ihnen möglich, jetzt schon einen Blick nach vorn zu richten. Was wird sein, wenn die Pandemie vorbei ist? Worauf freuen Sie sich? Welche Hoffnungen haben Sie? Angenommen, Sie hätten etwas aus der Corona-Zeit gelernt, was könnte das sein? Gibt es etwas, was Sie künftig anders machen möchten als bisher? Wofür sind Sie dankbar? Wenn es etwas gibt, was Sie künftig noch mehr genießen möchten, was könnte das sein?